Der neue britische Premierminister Andy Burnham hat nur wenige Stunden nach seiner Vereidigung durch König Charles III. die erste große Kabinettsumbildung vorgenommen. Dabei setzt der Labour-Politiker auf erfahrene Kräfte aus den eigenen Reihen, aber auch auf überraschende Personalentscheidungen. Der bisherige Verteidigungsminister John Healey wird neuer Schatzkanzler und übernimmt damit das Finanzressort. Ed Miliband, ein früherer Labour-Vorsitzender, wird neuer Außenminister.

Die Entscheidung, Healey ins Finanzministerium zu holen, gilt als ungewöhnlich, da er zuvor für die Verteidigungspolitik zuständig war. In seiner neuen Rolle wird er voraussichtlich vor großen Herausforderungen stehen: Die britische Wirtschaft leidet unter schwachem Wachstum, hohen Energiekosten und einer angespannten Haushaltslage. Burnham selbst hatte in seiner ersten Rede nach der Ernennung angekündigt, eine ökonomische Wende einleiten zu wollen. Dazu gehören Reformen im Bildungssystem, der Ausbau der Industrie, der Bau von Sozialwohnungen und die Bekämpfung der Obdachlosigkeit.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen führte Burnham bereits ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump. Die Inhalte des Gesprächs wurden zunächst nicht im Detail bekannt gegeben, es gilt jedoch als Signal für die künftige transatlantische Zusammenarbeit. Die britische Regierung steht unter Druck, sowohl innenpolitische als auch außenpolitische Akzente zu setzen. Die Kabinettsumbildung ist ein erster Schritt, um die politischen Schwerpunkte der neuen Regierung zu untermauern.

Die Ernennung von Ed Miliband zum Außenminister wird als Versuch gewertet, die außenpolitische Erfahrung der Labour-Partei zu bündeln. Miliband, der von 2010 bis 2015 Vorsitzender der Labour-Partei war, gilt als profilierter Politiker mit internationaler Erfahrung. Er wird voraussichtlich die Beziehungen zu europäischen Partnern neu ausrichten und die Rolle Großbritanniens in der Welt definieren müssen, insbesondere nach dem Brexit und den jüngsten globalen Krisen.

Die Opposition reagierte verhalten auf die Kabinettsumbildung. Kritiker bemängeln, dass Burnham mit Healey einen Mann ohne wirtschaftspolitische Erfahrung an die Spitze des Finanzministeriums setze. Befürworter hingegen verweisen auf Healeys langjährige Regierungserfahrung und seine Fähigkeit, komplexe Dossiers zu bearbeiten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die neue Regierung ihre ambitionierten Pläne in konkrete Politik umsetzen kann.

Burnham selbst betonte nach der Vereidigung, dass er das Land geeint in eine bessere Zukunft führen wolle. Die Kabinettsumbildung sei ein erster Schritt, um die Weichen für eine gerechtere und wirtschaftlich stärkere Gesellschaft zu stellen. Die nächsten Haushaltsberatungen und die Vorstellung des Regierungsprogramms im Parlament werden als erste große Bewährungsproben für die neue Regierung gelten.