Im Zoo Basel hat ein aggressiver Silberrücken zwei Artgenossen totgebissen. Der Vorfall ereignete sich am Donnerstag und sorgt für Bestürzung bei Tierpflegern und Besuchern. Der Silberrücken, ein dominantes Männchen, griff die beiden anderen Gorillas unvermittelt an und verletzte sie tödlich. Die genauen Umstände des Angriffs sind noch unklar, die Zooleitung hat eine Untersuchung eingeleitet.

Nach Angaben der Zooverwaltung handelte es sich bei den getöteten Tieren um einen jüngeren männlichen Gorilla und ein Weibchen. Der Angreifer biss einem der Tiere in den Genitalbereich, wie die Bild-Zeitung unter Berufung auf Augenzeugen berichtete. Die Tierpfleger konnten nicht rechtzeitig eingreifen, um die Attacke zu verhindern. Der Zoo Basel betonte, dass es sich um einen ungewöhnlichen und extrem seltenen Vorfall handle, der in der langen Geschichte des Zoos ohne Beispiel sei.

Der Vorfall wirft Fragen zum Sozialverhalten der stark bedrohten Westlichen Flachlandgorillas auf. In freier Wildbahn kommt es zwar immer wieder zu Kämpfen um die Vorherrschaft in der Gruppe, tödliche Auseinandersetzungen sind jedoch selten. In Gefangenschaft lebende Gorillas stehen unter ständiger Beobachtung, um Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu entschärfen. Der aggressive Silberrücken war offenbar in den vergangenen Wochen bereits durch verändertes Verhalten aufgefallen, wie der Zoo mitteilte.

Der Zoo Basel ist einer der ältesten und renommiertesten Zoos Europas und hält seit Jahrzehnten erfolgreich Gorillas. Die Gruppe bestand zuletzt aus mehreren Tieren, darunter der angreifende Silberrücken, mehrere Weibchen und Jungtiere. Nach dem Vorfall wurde die Gruppe vorübergehend getrennt, um weitere Konflikte zu vermeiden. Die verbliebenen Tiere werden derzeit von Tierärzten und Verhaltensbiologen betreut. Der Zoo kündigte an, die Haltungsbedingungen zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Der Fall erinnert an ähnliche Vorfälle in anderen Zoos, bei denen Silberrücken unerwartet aggressiv reagierten. Im Jahr 2024 tötete ein Gorilla im Zoo von Dallas ein neugeborenes Jungtier, nachdem es von seiner Mutter getrennt worden war. In Leipzig kam es 2023 zu einer schweren Auseinandersetzung zwischen zwei Silberrücken, bei der ein Tier schwer verletzt wurde. Experten betonen, dass Gorillas trotz ihres friedlichen Rufs komplexe soziale Strukturen haben, die in Gefangenschaft nicht immer stabil bleiben.

Die genauen Hintergründe des Angriffs im Zoo Basel sind noch Gegenstand der Ermittlungen. Die Zooleitung schloss nicht aus, dass Stressfaktoren wie die aktuelle Hitzewelle oder Veränderungen in der Gruppenzusammensetzung eine Rolle gespielt haben könnten. Die Besucher des Zoos reagierten betroffen auf die Nachricht. Viele legten Blumen am Gehege nieder. Der Zoo bleibt vorerst geöffnet, das Gorillagehege ist jedoch für die Öffentlichkeit gesperrt, bis die Situation vollständig geklärt ist.

Der Vorfall hat auch eine Debatte über die Haltung von Menschenaffen in Zoos neu entfacht. Tierschutzorganisationen fordern strengere Auflagen für die Haltung von Primaten, insbesondere von Silberrücken, die als besonders territorial gelten. Der Zoo Basel verteidigte seine Haltungspraxis und verwies auf die langjährige Erfolgsbilanz bei der Zucht und Pflege der bedrohten Art. Die Untersuchung des Vorfalls soll in den kommenden Tagen abgeschlossen werden.