Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seinen Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj entlassen. Die Entscheidung fiel nach tagelangen öffentlichen Protesten und wachsendem Druck aus der Bevölkerung. Syrskyj, der das Amt erst im Februar 2024 übernommen hatte, musste seinen Posten räumen. Als neuer Oberbefehlshaber wurde Mychajlo Drapatyj ernannt, der das Heer bereits bis zum Sommer 2025 geleitet hatte.

Drapatyj war zuvor nach einem russischen Angriff auf einen Truppenübungsplatz, bei dem zwölf ukrainische Soldaten getötet wurden, von seinem Posten zurückgetreten. Seine Rückkehr an die Spitze des Militärs kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, da die ukrainischen Streitkräfte an mehreren Frontabschnitten unter starkem russischem Druck stehen. Die Entlassung Syrskyjs ist die zweite bedeutende Personalveränderung im ukrainischen Verteidigungssektor innerhalb kurzer Zeit. Bereits in der vergangenen Woche hatte Selenskyj den populären Politiker Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister entlassen.

Die Demonstrationen in Kiew und anderen Städten hatten in den letzten Tagen zugenommen. Die Protestierenden warfen der Militärführung vor, nicht entschlossen genug gegen die russische Aggression vorzugehen und die Verluste unter den Soldaten zu verschweigen. Syrskyj, der zuvor als Kommandeur der Bodentruppen gedient hatte, war in die Kritik geraten, weil er die Verteidigungslinien nicht ausreichend verstärkt habe. Die neue Führung unter Drapatyj steht nun vor der Herausforderung, das Vertrauen der Truppen und der Öffentlichkeit zurückzugewinnen.

Parallel zu den Ereignissen in der Ukraine bestätigte der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew ein deutsch-russisches Geheimtreffen in Baku. An dem Treffen nahmen der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck und der ehemalige Kanzleramtsminister Ronald Pofalla teil. Die Inhalte des Treffens sind nicht öffentlich bekannt, doch es wird als Zeichen für mögliche diplomatische Kanäle zwischen Deutschland und Russland gewertet. Die Ukraine hat sich bislang nicht zu diesem Treffen geäußert.

Das UN-Menschenrechtsbüro meldete unterdessen einen starken Anstieg der zivilen Opferzahlen im Ukraine-Krieg. Besonders betroffen sind die Regionen im Osten und Süden des Landes, wo die Kämpfe in den letzten Wochen an Intensität zugenommen haben. Die Vereinten Nationen fordern eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und den Schutz der Zivilbevölkerung. Die ukrainische Regierung wirft Russland vor, gezielt zivile Infrastruktur anzugreifen, während Moskau dies bestreitet.

Russland sichert seine Benzinversorgung offenbar mit Lieferungen aus Sibirien. Angesichts der Sanktionen und der reduzierten Raffineriekapazitäten hat die russische Regierung Maßnahmen ergriffen, um die Treibstoffversorgung im Inland zu stabilisieren. Experten sehen darin einen Hinweis auf die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges auf Russland, das trotz seiner Rohstoffvorkommen mit Engpässen kämpft.

Die Entlassung Syrskyjs markiert einen Wendepunkt in der ukrainischen Militärführung. Analysten erwarten, dass Drapatyj eine härtere Linie gegenüber Russland verfolgen wird. Seine Erfahrung als früherer Heereschef könnte dazu beitragen, die Verteidigungsstrategie zu überarbeiten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die personellen Veränderungen die militärische Lage an der Front verbessern können.