Die Europäische Union hat eine Millionenstrafe gegen den chinesischen Online-Marktplatz AliExpress verhängt. Grund ist der Verkauf illegaler Produkte auf der Plattform, wie die EU-Kommission mitteilte. Die Strafe ist Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen Verstöße gegen das EU-Verbraucherschutzrecht und die Produktsicherheitsvorschriften.

Nach Angaben der EU-Kommission wurden auf AliExpress wiederholt Produkte angeboten, die nicht den europäischen Sicherheitsstandards entsprechen. Dazu zählen unter anderem gefährliche Elektrogeräte, nicht zugelassene Kosmetika und Spielzeuge, die gesundheitsschädliche Stoffe enthalten. Die Behörden hatten die Plattform bereits mehrfach abgemahnt, bevor sie nun zu der finanziellen Sanktion griffen.

Die genaue Höhe der Strafe wurde nicht offiziell bekannt gegeben, doch Insider sprechen von einem Betrag im zweistelligen Millionenbereich. Die EU-Kommission betonte, dass die Sanktion ein klares Signal an alle Online-Händler senden solle, dass die Einhaltung der EU-Vorschriften nicht verhandelbar sei. „Verbraucher in der EU müssen sich darauf verlassen können, dass Produkte, die sie online kaufen, sicher sind“, erklärte ein Sprecher der Kommission.

AliExpress, eine Tochter des chinesischen Alibaba-Konzerns, ist einer der größten Online-Marktplätze weltweit und besonders in Europa stark vertreten. Die Plattform verbindet Händler aus China mit Kunden in der EU und bietet ein breites Sortiment von Elektronik über Kleidung bis hin zu Haushaltswaren. In den vergangenen Jahren war der Marktplatz jedoch wiederholt wegen des Verkaufs von Produkten kritisiert worden, die gegen EU-Recht verstoßen.

Die EU hat in den letzten Jahren ihre Bemühungen verstärkt, Online-Plattformen stärker in die Verantwortung zu nehmen. Mit dem Digital Services Act (DSA) wurden neue Regeln eingeführt, die große Plattformen wie AliExpress dazu verpflichten, illegale Inhalte und Produkte schneller zu entfernen und transparenter über ihre Geschäftspraktiken zu informieren. Die Millionenstrafe ist eine der ersten größeren Sanktionen, die auf Grundlage dieser neuen Regelungen verhängt wurde.

Experten sehen in dem Vorgehen der EU einen wichtigen Schritt zur Stärkung des Verbraucherschutzes im digitalen Handel. „Die Zeiten, in denen Online-Plattformen sich hinter der Ausrede verstecken konnten, sie seien nur Vermittler, sind vorbei“, sagte eine Verbraucherschützerin. „Die EU macht deutlich, dass Plattformen eine aktive Verantwortung für die Produkte tragen, die über ihre Dienste verkauft werden.“

AliExpress kündigte an, gegen die Strafe rechtliche Schritte prüfen zu wollen. Das Unternehmen betonte, man habe bereits Maßnahmen ergriffen, um die Einhaltung der EU-Vorschriften zu verbessern. Dazu gehörten verstärkte Kontrollen der angebotenen Produkte und eine engere Zusammenarbeit mit den europäischen Behörden. Kritiker bezweifeln jedoch, dass diese Maßnahmen ausreichen, um das Problem grundlegend zu lösen.

Die Entscheidung der EU könnte weitreichende Folgen für den gesamten Online-Handel haben. Andere große Plattformen wie Amazon oder eBay beobachten die Entwicklung genau, da ähnliche Sanktionen auch ihnen drohen könnten, falls sie gegen die neuen Regeln verstoßen. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, ihre Kontrollen weiter zu verschärfen und bei Verstößen konsequent durchzugreifen.

Hintergrund der verschärften Regulierung ist die zunehmende Bedeutung des Online-Handels, der durch die Corona-Pandemie noch einmal einen deutlichen Schub erhalten hat. Immer mehr Verbraucher kaufen Produkte aus Nicht-EU-Ländern, insbesondere aus China, über Online-Plattformen. Dies birgt jedoch Risiken, da die Produktsicherheitsstandards in diesen Ländern oft nicht mit denen der EU vergleichbar sind.

Die EU-Kommission appellierte an die Verbraucher, beim Online-Kauf auf die Einhaltung der Sicherheitsstandards zu achten. Produkte ohne CE-Kennzeichnung oder mit unklaren Herkunftsangaben sollten gemieden werden. Zudem stehe den Verbrauchern bei Problemen der Rechtsweg offen, auch wenn die Händler ihren Sitz außerhalb der EU haben.

Die Millionenstrafe gegen AliExpress ist ein weiterer Schritt in der Strategie der EU, die digitale Wirtschaft stärker zu regulieren und Verbraucherrechte zu schützen. Ob die Sanktionen ausreichen, um das Problem illegaler Produkte auf Online-Marktplätzen nachhaltig zu bekämpfen, bleibt abzuwarten. Die EU-Kommission kündigte jedoch an, die Entwicklung weiterhin genau zu beobachten und bei Bedarf weitere Maßnahmen zu ergreifen.