Einem Drohnenpiloten ist vor der Küste Australiens eine Sensation gelungen: Er hat die Geburt eines Buckelwals aus der Luft gefilmt. Es handelt sich um die weltweit ersten Aufnahmen dieser Art. Die Bilder zeigen, wie ein neugeborenes Kalb aus dem Wasser auftaucht und sich seiner Mutter anschließt. Bislang gab es kaum direkte Beobachtungen des Geburtsvorgangs dieser Meeressäuger, da er meist in trüben oder schwer zugänglichen Gewässern stattfindet.

Der Vorfall ereignete sich in den Gewässern vor Queensland, einem der wichtigsten Rückzugsgebiete für Buckelwale während der Fortpflanzungszeit. Jedes Jahr ziehen Tausende Wale von ihren Nahrungsgründen in der Antarktis in die warmen Küstengewässer Australiens, um dort zu kalben. Die Drohnenaufnahmen bieten nicht nur atemberaubende Perspektiven, sondern könnten auch langjährige wissenschaftliche Fragen beantworten. So ist bislang etwa unklar, wie die Geburt genau abläuft, wie die Mutter ihr Kalb zur Oberfläche führt und wie die erste Bindung zwischen Mutter und Jungtier entsteht.

Die spektakulären Bilder wurden von einem Freizeitdrohnenpiloten aufgenommen, der die Aufnahmen anschließend Meeresbiologen zur Verfügung stellte. Diese zeigen sich begeistert: «Wir haben so etwas noch nie gesehen», zitiert der Spiegel einen Experten. Die Forschung könne aus dem Videomaterial wertvolle Daten über das Verhalten der Wale unmittelbar nach der Geburt gewinnen. Bisher waren Wissenschaftler auf wenige Berichte von Schiffen oder Küstenbeobachtern angewiesen.

Buckelwale zählen zu den größten Meeressäugern und sind für ihre akrobatischen Sprünge und ihren Gesang bekannt. Sie waren einst durch den Walfang stark dezimiert, haben sich aber nach dem internationalen Fangverbot in den 1960er Jahren erholt. Die Population vor Australien gilt heute als stabil, dennoch sind die Tiere weiterhin Bedrohungen wie Kollisionen mit Schiffen, Fischernetzen und zunehmender Lärmbelastung durch den Schiffsverkehr ausgesetzt. Die neuen Aufnahmen könnten daher auch dazu beitragen, Schutzmaßnahmen zu verbessern, indem sie zeigen, in welchen Bereichen die Geburten stattfinden und wie verletzlich die Kälber in den ersten Stunden sind.

Die Drohne ermöglichte eine einzigartige Perspektive, die ohne Störung der Tiere auskommt. Anders als Boote oder Taucher verursacht eine Drohne in ausreichender Höhe kaum Lärm und Stress. Dies ist besonders wichtig, da Störungen in der sensiblen Geburtsphase fatale Folgen haben können. Die Aufnahmen dokumentieren, wie das Kalb nach der Geburt instinktiv zur Wasseroberfläche schwimmt, um seinen ersten Atemzug zu machen, während die Mutter es behütet. Solche Verhaltensweisen konnten bislang nur selten gefilmt werden.

Der Fund reiht sich in eine Serie von Drohnenbeobachtungen ein, die in den letzten Jahren neue Einblicke in das Leben der Wale ermöglicht haben. So wurden bereits Aufnahmen von Walen beim Spielen, Jagen und Sozialverhalten gemacht. Die Geburt eines Buckelwals galt jedoch als das «letzte große Rätsel» für Wildtierfilmer. Dass nun erstmals eine Drohne die Geburt festhalten konnte, ist ein Meilenstein für die Meeresbiologie und den Tierschutz. Die Bilder werden derzeit von Wissenschaftlern ausgewertet und sollen in Kürze in einer Fachzeitschrift veröffentlicht werden.

Die Behörden in Australien haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die Gebiete zu schützen, in denen die Wale ihre Kälber zur Welt bringen. Touristenboote müssen einen Mindestabstand einhalten, und Drohnenflüge sind in bestimmten Zonen reguliert. Die neuen Erkenntnisse könnten zu weiteren Schutzbestimmungen führen, um den Walen eine ungestörte Fortpflanzung zu ermöglichen. Die Geburt vor der Küste Queenslands zeigt eindrucksvoll, wie wichtig diese Region für den Erhalt der Buckelwalpopulation ist.