Die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie sind für Deutschland so schlecht wie nie zuvor. Rund 6.700 getestete 15-Jährige erzielten in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der internationalen Vergleichsstudie im Jahr 2000. Studienleiter Samuel Greiff warnte, dass jedem dritten Jugendlichen grundlegende Kompetenzen im Lesen und in Mathematik fehlen, jedem vierten in den Naturwissenschaften. Mehr als jeder Fünfte verfüge in keinem der drei Felder über ausreichende Basiskompetenzen.

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) nannte den Befund bei der Vorstellung in Berlin besorgniserregend. Anna Stolz, bayerische Kultusministerin und Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, sprach von einem „desaströsen, aber nicht überraschenden Ergebnis“. Beide Politikerinnen verwiesen darauf, dass bereits gegengesteuert werde. Dazu zählen das Start-Chancen-Programm für Schulen sowie ein geplantes Kita-Gesetz. Vorgesehen sind unter anderem Sprachtests im Kindergarten, besserer Grundschulunterricht und mehr Ressourcen für Schulen in sozial schwierigen Vierteln. „Wir fangen nicht bei Null an“, sagte Stolz, räumte aber ein, dass es „einen langen Atem“ brauche.

Die getesteten Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreichten in den Naturwissenschaften durchschnittlich 486 Punkte, im Lesen 465 Punkte und in Mathematik 464 Punkte. Bei der vorherigen Erhebung im Jahr 2022 lagen die Werte noch bei 492 Punkten in den Naturwissenschaften, 480 im Lesen und 475 in Mathematik. Co-Autor Francesco Avvisati erklärte, dass sich die Ergebnisse erneut verschlechtert hätten. Immer mehr junge Menschen lägen mit 15 Jahren unter dem Grundkompetenzniveau. „Sie verlieren die Neugier und zunehmend auch den Glauben daran, dass sich Bildung lohnt“, sagte er.

Die Pisa-Studie wird seit dem Jahr 2000 etwa alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) durchgeführt. Weltweit nahmen an der aktuellen Erhebung mehr als 760.000 Jugendliche teil, in Deutschland waren es rund 6.700 Schülerinnen und Schüler an 250 Schulen. Die erste Pisa-Studie hatte für Deutschland ein so schlechtes Abschneiden gezeigt, dass intensive Bildungsreformen angestoßen wurden. Nach einem zwischenzeitlichen Aufschwung in den 2000er-Jahren liegen die Werte nun noch niedriger als damals.

Trotz der gesunkenen Punktzahlen liegt Deutschland etwa im Durchschnitt aller teilnehmenden OECD-Staaten. Allerdings fällt der Negativtrend hierzulande besonders deutlich aus. In 14 OECD-Staaten waren die Ergebnisse klar besser, darunter in Estland, Kanada, der Schweiz und Österreich. Länder wie die Niederlande oder Frankreich liegen etwa gleichauf mit Deutschland. „Wir sind zwar nicht dramatisch abgehängt“, sagte Greiff der Deutschen Presse-Agentur. „Aber wir werden unserem eigenen Anspruch als Bildungsnation nicht gerecht. Wir spielen nicht mit unter den Top-Staaten.“

Die Studie bestätigt erneut, dass in Deutschland der schulische Erfolg stärker vom Elternhaus abhängt als in vielen anderen Ländern. Seit 2015 nimmt diese Kluft wieder zu. „Der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und dem Bildungserfolg ist in Deutschland etwa dreimal so stark wie in Kanada“, sagte Greiff. Nur zwei von 100 sozial benachteiligten Schülern seien leistungsstark, unter sozial Privilegierten seien es 25 von 100.

Als Gründe für den Abwärtstrend nennt Studienleiter Greiff mehrere Faktoren. Nach dem Pisa-Schock von 2000 habe es beeindruckende Reformkräfte gegeben. „Aber seit zehn Jahren beobachten wir einen Knick. Es war offenbar der Eindruck, dass wir jetzt ganz gut dastehen und dass die große Aufholjagd geschafft ist“, sagte der Psychologe und Bildungsforscher. Zugleich sei die Schülerschaft in den vergangenen Jahren unterschiedlicher geworden. Neben Zuwanderung nennt Greiff stärkere soziale Unterschiede und zunehmende psychosoziale Problemlagen. Die entscheidende Trennlinie verlaufe nicht zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungshintergrund, sondern zwischen sozial privilegierten und benachteiligten Familien.

Bildungsministerin Prien verwies auf veränderte Erziehungsstile, Digitalisierung und künstliche Intelligenz. „Wir haben Bildschirmzeiten und Social-Media-Nutzung, die eine große Rolle spielen“, sagte die CDU-Politikerin. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, betonte, dass ein früher und problematischer Social-Media-Konsum die schulische Leistung messbar beeinträchtige. Kinder müssten vor einer Nutzung in schädlichem Ausmaß geschützt werden. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft reagierte auf die Ergebnisse der Studie.

Theresa Jungmann

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Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.