Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) dringt auf eine schnellere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse im Gesundheitswesen. Angesichts des massiven Fachkräftemangels forderte der Dachverband der Krankenhausträger bundesweit einheitliche Verfahren und Zuständigkeiten. «Die Anerkennungsbürokratie bleibt in Deutschland leider sehr kompliziert und langwierig», sagte DKG-Vorstandsvize Henriette Neumeyer der «Augsburger Allgemeinen».
Derzeit werden Anträge von den Landesärztekammern bearbeitet, wobei die Anforderungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausfallen. Hinzu kommen nach Einschätzung der DKG komplizierte und selten digitalisierte Visa-Prozesse. «Ausländische Fachkräfte müssen Monate und manchmal sogar Jahre warten, bevor sie überhaupt einen Termin in der deutschen Botschaft ihres Heimatlandes erhalten», kritisierte Neumeyer. Die Anforderungen der Visa-Anträge seien kaum durchschaubar, viele Einwanderer nähmen die Hilfe von Agenturen in Anspruch, deren Kosten oft die Krankenhäuser übernähmen.
Die Kliniken sind nach den Worten der stellvertretenden DKG-Vorsitzenden auf Mitarbeiter aus dem Ausland angewiesen. «Die Gesundheitsversorgung wäre ohne ausländische Fachkräfte spürbar eingeschränkt», betonte Neumeyer. «Lange Wartelisten, Leistungseinschränkungen wegen Personalengpässen oder verschobene OPs wären an der Tagesordnung.» Der Verband warnt damit vor unmittelbaren Folgen für die Patientenversorgung, sollte die Zuwanderung qualifizierter medizinischer Fachkräfte weiter stocken.
Die Forderung nach einheitlichen Standards richtet sich an die Politik und die zuständigen Kammern. Bislang fehlt eine zentrale Regelung, die das Verfahren in allen Bundesländern vergleichbar macht. Die DKG sieht in der Zersplitterung der Zuständigkeiten ein zentrales Hindernis für eine zügige Integration ausländischer Ärztinnen und Ärzte sowie weiterer Gesundheitsberufe. Auch die Digitalisierung der Verwaltungswege steht aus Sicht des Verbandes noch aus.
Der Fachkräftemangel im Gesundheitssektor ist seit Jahren ein drängendes Problem. Kliniken in ganz Deutschland suchen händeringend nach Personal, während die Nachfrage nach medizinischer Versorgung mit einer alternden Gesellschaft weiter steigt. Ausländische Fachkräfte gelten als wichtige Säule, um die Lücken zu schließen. Umso schwerer wiegt aus Sicht der Krankenhausgesellschaft, dass bürokratische Hürden den Zugang zum Arbeitsmarkt verzögern.
Die DKG verlangt daher nicht nur schnellere, sondern auch transparentere Verfahren. Wer einen anerkannten Abschluss aus dem Ausland mitbringe, solle nicht länger mit unklaren Anforderungen und langen Bearbeitungszeiten konfrontiert werden. Die Kliniken selbst unterstützen Bewerberinnen und Bewerber bereits finanziell, indem sie Kosten für Vermittlungsagenturen übernehmen. Eine dauerhafte Lösung sieht der Verband darin jedoch nicht.
Ob die Politik die Forderungen aufgreift, ist offen. Klar ist, dass der Druck auf die Krankenhäuser weiter wächst, solange sich die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und die Visa-Vergabe nicht beschleunigen. Die DKG macht deutlich, dass die Qualität der Versorgung in Deutschland maßgeblich davon abhängt, wie schnell und unkompliziert Fachkräfte aus dem Ausland ihren Beruf ausüben können.
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