Der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs schlägt deutlich auf die Verbraucherpreise im Euroraum durch. Die Inflationsrate stieg im August auf 3,3 Prozent, wie aus einer ersten Schätzung hervorgeht. Damit wächst der Handlungsdruck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die bei ihrer kommenden Sitzung über eine Zinserhöhung entscheiden dürfte.
Haupttreiber der Teuerung sind die Energiekosten, die infolge der angespannten Lage im Nahen Osten spürbar angezogen haben. In anderen Bereichen fällt die Preissteigerung moderater aus. Die Gesamtrate liegt damit deutlich über dem Zielwert der EZB von zwei Prozent, den die Währungshüter für Preisstabilität im Euroraum anstreben.
Ökonomen und Marktbeobachter werten den Inflationssprung als klares Signal für eine straffere Geldpolitik. Eine Zinserhöhung sei überfällig, heißt es aus Fachkreisen. Die EZB hatte in den vergangenen Monaten angesichts der unsicheren Konjunkturlage eine abwartende Haltung eingenommen. Der jüngste Preisanstieg dürfte diese Zurückhaltung nun beenden.
Für Sparer und Kreditnehmer hätte eine Zinserhöhung unmittelbare Folgen. Während Tages- und Festgeldzinsen in der Regel von steigenden Leitzinsen profitieren, verteuern sich zugleich variable Kredite und Baufinanzierungen. Auch neue Kreditverträge würden spürbar teurer. Verbraucher müssen sich daher auf höhere Finanzierungskosten einstellen.
Die Entscheidung der EZB wird bei der nächsten Ratssitzung erwartet. Beobachter rechnen mehrheitlich mit einer Anhebung des Leitzinses, um der wieder anziehenden Inflation entgegenzuwirken. Die Lage bleibt jedoch angespannt: Sollte der Iran-Konflikt weiter eskalieren und die Ölpreise zusätzlich steigen, könnte die Teuerung im Euroraum noch weiter zulegen.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, wie stark geopolitische Krisen über die Energiepreise auf die Wirtschaft in Europa durchschlagen. Die Notenbank steht vor der Herausforderung, die Inflation zu bekämpfen, ohne die Konjunktur im Euroraum übermäßig abzukühlen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die EZB den Kurs der Zinserhöhung tatsächlich einschlägt.

