Die Verbraucher im Euroraum rechnen wegen des Iran-Kriegs mit einer höheren Inflation. Das geht aus einer Umfrage der Europäischen Zentralbank hervor. Der Krieg verteuert Öl und damit das Tanken und Heizen. Die Menschen erwarten steigende Preise, auch über einen längeren Zeitraum. Für die EZB ist das ein Alarmsignal.
Die Inflationserwartungen der Verbraucher gelten als wichtiger Frühindikator für die tatsächliche Preisentwicklung. Wenn Haushalte davon ausgehen, dass Preise dauerhaft steigen, passen sie ihr Verhalten an. Sie fordern höhere Löhne, kaufen Waren früher oder verschieben größere Anschaffungen. Solche Reaktionen können die Inflation zusätzlich anheizen. Die EZB beobachtet diese Erwartungen deshalb besonders genau.
Im Zentrum des Preisdrucks steht der Energiemarkt. Der Iran-Krieg hat die Ölpreise nach oben getrieben. Höhere Rohölkosten schlagen sich an den Tankstellen nieder. Auch das Heizen mit Öl wird teurer. Diese Kosten reichen über die direkten Energieausgaben hinaus. Transport, Produktion und Lebensmittel werden ebenfalls teurer, wenn Energie teurer wird. Die Inflation zieht dadurch breiter an.
Für die EZB entsteht ein Dilemma. Eigentlich hatte sie mit sinkenden Inflationsraten und einer möglichen Lockerung der Geldpolitik gerechnet. Steigende Inflationserwartungen erschweren diesen Kurs. Die Notenbank muss nun abwägen, ob sie die Zinsen länger hochhält, um die Teuerung zu bekämpfen. Gleichzeitig bremst eine straffe Geldpolitik das Wirtschaftswachstum. Der Krieg wirkt damit nicht nur über die Energiepreise, sondern auch über die Erwartungen der Verbraucher auf die Konjunktur.
Die Umfrage zeigt, dass die Menschen mit einer länger anhaltenden Teuerung rechnen. Das unterscheidet die aktuelle Lage von einer kurzfristigen Preisspitze. Dauerhaft höhere Erwartungen können sich in Tarifverhandlungen und Preissetzungen niederschlagen. Unternehmen geben höhere Kosten eher an Kunden weiter, wenn sie davon ausgehen, dass die Inflation bleibt. So entsteht eine Spirale, die die Notenbank nur schwer durchbrechen kann.
Für die Verbraucher in Südbaden und der Region Waldshut bedeutet das konkret: Tanken und Heizen bleiben teuer. Auch die Preise für viele Alltagsgüter dürften weiter steigen. Haushalte mit geringem Einkommen trifft das besonders hart, weil Energie und Lebensmittel einen großen Teil ihrer Ausgaben ausmachen. Die Kaufkraft sinkt, wenn die Löhne nicht im gleichen Tempo steigen.
Die EZB wird die weiteren Daten genau beobachten. Entscheidend ist, ob die Inflationserwartungen weiter steigen oder sich wieder beruhigen. Sollte der Ölpreis wegen des Kriegs dauerhaft hoch bleiben, könnte sich der Preisdruck verfestigen. Die Notenbank steht damit unter Druck, ihre Geldpolitik anzupassen. Klar ist: Der Iran-Krieg wirkt bis in den Alltag der Menschen im Euroraum hinein – an der Tankstelle, beim Heizen und beim Einkauf.

