Waldbrände in mehreren Teilen Europas und im Nordwesten der USA zwingen weiterhin zehntausende Menschen in die Flucht. Während westlich der griechischen Hauptstadt Athen unzählige kleine und große Brandherde lodern, kämpfen im US-Bundesstaat Washington Tausende Feuerwehrleute gegen verheerende Großfeuer. Auch in den Niederlanden und in Frankreich bleibt die Lage angespannt; in Spanien hingegen entspannt sich die Lage allmählich.
In Griechenland setzt die Feuerwehr insgesamt 23 Löschflugzeuge und elf Löschhubschrauber sowie Hunderte Einsatzkräfte am Boden ein, um die Wald- und Buschbrände westlich von Athen unter Kontrolle zu bringen. Starke Winde hatten die Flammen am Wochenende so stark ausgebreitet, dass Rettungskräfte immer wieder zu neu entflammenden Glutnestern ausrücken müssen. Satellitenbilder zeigen Brandherde auf einer Fläche von rund 30 mal 30 Kilometern. Elf Ortschaften wurden am Montag evakuiert, darunter der Küstenort Psatha am Golf von Korinth, wo die Flammen anschließend auch Häuser erreichten. Boote der Küstenwache und private Boote halten sich auf dem Meer für mögliche Rettungseinsätze bereit. Immer wieder sperrt die Polizei Straßen und leitet den Verkehr um. Schätzungen zufolge sind bislang 8.000 Hektar verbrannt, das entspricht einer Fläche von 80 Quadratkilometern und ist fast so groß wie die Stadt Weimar. Die Waldbrandgefahr in der betroffenen Region liegt weiterhin auf der zweithöchsten Stufe vier von fünf.
Im US-Bundesstaat Washington haben drei Großbrände ganze Wohngebiete verwüstet. Gent Welsh von der Nationalgarde verglich die Zerstörung rund um die Stadt Spokane mit einem «Kriegsgebiet». Nach Behördenangaben brannten mehr als 700 Häuser und andere Gebäude ab; Verletzte oder Tote wurden bislang nicht gemeldet. Gouverneur Bob Ferguson nannte die Feuer vermutlich die «schlimmste Naturkatastrophe» in dieser Region. Dave Upthegrove, Beauftragter für staatliche Ländereien, sprach von einer «historischen Waldbrandsaison», die bereits früh im Sommer verheerende Ausmaße erreicht habe. Derzeit brennen in dem Bundesstaat 17 größere Feuer auf mehr als 100.000 Hektar Land. Rund 5.000 Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen. Allein im Raum Spokane waren mehr als 65.000 Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen – mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Die Ursache der Brände wird noch untersucht; am Montag nahm die Polizei einen 37-Jährigen fest, dem Brandstiftung vorgeworfen wird.
Im Osten der Niederlande nahe der deutschen Grenze wütet seit Montag ein Großfeuer in einem Naturschutzgebiet. Die Feuerwehr ist nach Angaben der Behörden mit einem Großaufgebot im Einsatz, um den Brand in De Rosmolen bei der Ortschaft Oostrum einzudämmen. Drei Löschhubschrauber der Armee unterstützen die Löscharbeiten. Ein Campingplatz mit rund 300 Urlaubern wurde vorsorglich evakuiert. Der Bahnverkehr zwischen Nimwegen und Venray wurde eingestellt. Anwohner wurden aufgefordert, wegen des starken Rauches Türen und Fenster geschlossen zu halten.
In Frankreich warnt der Wetterdienst vor erhöhter Waldbrandgefahr im Nordwesten des Landes. Auch in Mittelmeerregionen bleibe die Gefahr hoch, weil die Vegetation dort extrem ausgetrocknet sei und weiterhin starke Hitze herrsche. Wegen zunehmender Winde könnte die Gefahr im Lauf der Woche erneut auf die höchste Alarmstufe steigen. Generell gelten die meisten Feuer als unter Kontrolle; die Lage im Land gilt als stabil. Angespannt bleibt die Situation vor allem im südfranzösischen Département Var, wo 1.500 Feuerwehrleute gegen das Ausbreiten eines wieder aufgeflammten Brandes kämpfen. Die Behörden warnen vor dem Risiko einer ungünstigen Entwicklung und haben die Warnstufe wegen Luftverschmutzung aufrechterhalten. Bei Bordeaux, wo zuvor der bislang schlimmste Brand der Saison gewütet hatte, durften Bewohnerinnen und Bewohner weiterer evakuierter Orte zurückkehren. Im Ort Le Porge an der Atlantikküste barg der Kampfmittelräumdienst fast 400 Granaten und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg.
In Spanien hat sich die Lage im Vergleich zu den vergangenen Wochen entspannt. Nach Angaben des Waldbrandportals «Incendios Forestales» waren am Abend landesweit 47 Wald- und Vegetationsbrände aktiv, überwiegend kleinere Feuer. Die meisten wurden aus Kastilien und León, Katalonien, Valencia und Kastilien-La Mancha gemeldet. Die Großbrände rund um Madrid, die Ende Juli die Feuerwehr in Atem gehalten hatten, lodern teilweise noch, gelten aber als unter Kontrolle. Mit dem Ende der vierten Hitzewelle dieses Sommers ist die Waldbrandgefahr landesweit zurückgegangen, wie der Wetterdienst Aemet mitteilte.
