Eine russische Industrieanlage ist bei einem ukrainischen Drohnenangriff beschädigt worden. Darüber berichteten Medien am Donnerstag im Rahmen ihrer Liveberichterstattung zum Krieg in der Ukraine. Moskau hatte zuvor über Drohnenangriffe auf Industrieunternehmen östlich der russischen Hauptstadt informiert, bei denen eine Anlage schwer beschädigt wurde.
Die Angriffe reihen sich in eine Entwicklung ein, in der die Ukraine zunehmend Ziele weit hinter der Front trifft. Am selben Tag meldete Präsident Wolodymyr Selenskyj die Zerstörung zweier russischer Kampfflugzeuge vom Typ Su-34 auf dem Militärflugplatz Marinowka im Gebiet Wolgograd. Auch eine Startrampe für Iskander-Raketen soll beschädigt worden sein. Solche Angriffe sollen russische Luftabwehrsysteme binden und militärische Einrichtungen treffen, von denen aus der Krieg gegen die Ukraine unterstützt wird. Moskau muss dadurch das eigene Hinterland schützen, während militärisches Gerät und Soldaten im Inland gebunden bleiben.
Die Angriffe treffen Russland auch wirtschaftlich. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur ist die Rohölverarbeitung in Russland gesunken. Wie stark die Angriffe Russlands Kriegsführung insgesamt schwächen, ist bislang unklar.
Im Donbass bleibt die Lage an der Front angespannt. Russische Truppen versuchen weiterhin, die ukrainischen Verteidigungsstellungen rund um Slowjansk, Kramatorsk und Kostjantyniwka zu überwinden. Diese Städte bilden den sogenannten Festungsgürtel der ukrainischen Verteidiger. Solange die ukrainische Armee ihn hält, bleibt die vollständige Eroberung der Region Donezk für Präsident Wladimir Putin außer Reichweite.
Nach Einschätzung des amerikanischen Institute for the Study of War haben ukrainische Truppen mit der Operation »Vivaldi« im Raum Lyman mehr als 270 Quadratkilometer Gelände zurückgewonnen. Damit durchkreuzten sie den russischen Plan, den Festungsgürtel im Donbass einzukesseln. Von einem allgemeinen russischen Rückzug kann dennoch keine Rede sein. Südöstlich von Dobropillja gelangen russischen Verbänden kleinere Vorstöße, und die Armee greift weiterhin mit Infanterie, Drohnen und Gleitbomben an.
Der Kreml verlangt von der Ukraine Gebietsabtretungen, die über die gegenwärtige russische Kontrolle hinausgehen. Kiew wäre nach eigener Darstellung nur dann bereit, eigenes Staatsgebiet und die stärksten Verteidigungsanlagen aufzugeben, wenn es belastbare Sicherheitsgarantien von den Nato-Staaten erhält. Bislang hat sich Russland darauf nicht eingelassen.
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