Die ukrainische Luftverteidigung steht bei der Abwehr russischer strahlgetriebener Drohnen vor erheblichen Schwierigkeiten. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gelingt es den Streitkräften derzeit nur, 57 Prozent dieser Drohnen abzufangen. Die allgemeine Abschussrate bei allen Drohnentypen liegt dagegen bei 70 Prozent. Selenskyj bezeichnete die 57-Prozent-Quote als «deutlich niedriger als nötig».

Der Grund für die geringere Erfolgsquote liegt in den technischen Eigenschaften der strahlgetriebenen Drohnen. Sie fliegen in größeren Höhen und mit deutlich höheren Geschwindigkeiten als die bisherigen Standarddrohnen mit Kolbenmotoren. Dadurch können sie die ukrainische Luftabwehr häufig umgehen. Einige der Turbojet-Triebwerke dieser Drohnen stammen nach Erkenntnissen des ukrainischen Militärgeheimdienstes aus China.

Der russische Einsatz dieser Waffen hat im Sommer stark zugenommen. Nach Angaben eines Sprechers der ukrainischen Luftwaffe verfünffachte sich die Zahl der eingesetzten strahlgetriebenen Drohnen allein zwischen Juni und Juli. Die Ukraine reagiert auf die Bedrohung mit der Erprobung neuer Abfangsysteme. Mehrere ukrainische Kampfeinheiten setzen diese Technologie bereits ein, wie das ukrainische Medium «United24Media» berichtet. Um die Drohnen abzufangen, bräuchte die Ukraine jedoch ähnliche oder höhere Geschwindigkeiten – eine Herausforderung, die derzeit noch nicht vollständig gelöst ist.

Russland plant offenbar, seine Drohnenproduktion massiv auszuweiten. Selenskyj erklärte in seiner abendlichen Videoansprache am 26. September, Russland beabsichtige, im kommenden Jahr allein 12 Milliarden Dollar für strahlgetriebene Drohnen und Kamikaze-Kampfdrohnen auszugeben. Diese Summe unterstreicht die strategische Bedeutung, die Moskau diesen Waffensystemen beimisst.

Parallel dazu hat der russische Präsident Wladimir Putin die Aufstockung der Armee angeordnet. Ein entsprechendes Dekret sieht 15.500 zusätzliche Soldaten vor. Die letzte Aufstockung hatte im Juli stattgefunden. Selenskyj warf Russland in seiner Videoansprache vor, mit einer zusätzlichen Mobilmachung begonnen zu haben. Nach Erkenntnissen der ukrainischen Geheimdienste bereitet auch Nordkorea die Entsendung weiterer Truppen in die Ukraine vor. Nach Angaben Selenskyjs sollen 10.000 weitere nordkoreanische Soldaten in das Kriegsgebiet geschickt werden.

Die Kombination aus verstärktem Drohneneinsatz und personeller Aufstockung stellt die Ukraine vor wachsende Herausforderungen. Während die Luftabwehr nach Wegen sucht, die Lücke bei der Abwehr strahlgetriebener Drohnen zu schließen, deuten die russischen Investitionspläne und die zusätzliche Mobilmachung auf eine längerfristige Strategie Moskaus hin. Die ukrainischen Streitkräfte testen daher weiterhin neue Abfangsysteme, um die Effektivität ihrer Verteidigung zu erhöhen.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.