Nach gewaltsamen Protesten und Plünderungen am Wochenende haben die Behörden in Marseille für diesen Tag öffentliche Versammlungen und Demonstrationen untersagt. Die Stadt im Süden Frankreichs reagiert damit auf die schweren Ausschreitungen, die sich am Samstag und Sonntag in mehreren Städten des Landes ereignet hatten. Das Verbot soll weitere Zusammenstöße verhindern und die öffentliche Ordnung wiederherstellen.

In Paris kam die Regierung zu einer erneuten Krisensitzung zusammen, um über die aktuelle Lage zu beraten. Im Anschluss wollte Premierminister Sébastien Lecornu sich äußern. Der Minister für Stadtentwicklung und Wohnungswesen, Vincent Jeanbrun, sagte dem Sender BFMTV, man müsse sich die Möglichkeit offenhalten, bei Bedarf eine Ausgangssperre zu verhängen. Die Regierung schließt eine solche Maßnahme also nicht aus.

In der Hauptstadt war es nach erneuten Ausschreitungen am Sonntag auch in der Nacht wieder zu Plünderungen gekommen. Bürgermeister Emmanuel Grégoire sprach von «unerträglichen Szenen». «Es hatte nicht das Ausmaß wie am Samstag, aber es gab Gruppen von Plünderern, die sich auf mehrere Stadtteile verteilt haben», sagte Grégoire dem Sender France Inter. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez wurden am Sonntag und in der Nacht in Paris 351 Menschen festgenommen.

Der Innenminister räumte angesichts der Ausschreitungen einen «Kontrollverlust» ein und bot seinen Rücktritt an. Präsident Emmanuel Macron lehnte dies ab. Die Frage, welche Konsequenzen aus den Ereignissen gezogen werden, bleibt damit zunächst offen. Macron verurteilte die Gewalt und kündigte einen Runden Tisch an.

Die Protestbewegung der Gelbwesten hat unterdessen neue Demonstrationen für den kommenden Samstag angekündigt. Am 24. Oktober solle es einen «2. Akt» der Proteste geben, teilten die Organisatoren der Kundgebungen vom Wochenende auf ihrer Webseite mit. Demnach soll erneut in Dutzenden Orten demonstriert werden. Der Protest der Gelbwesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und soziale Ungerechtigkeit hatte Frankreich zwischen November 2018 und Frühjahr 2019 in Atem gehalten. Ihr Name geht darauf zurück, dass viele der Demonstranten gelbe Warnwesten trugen. Vor dem Protestwochenende hatte es den Aufruf gegeben, die Bewegung wiederzubeleben.

Hunderttausende hatten am Wochenende in Frankreich unter anderem gegen hohe Lebenshaltungskosten demonstriert. Die Proteste eskalierten in Plünderungen und Straßenschlachten. Schüler und Studenten gehen weiter auf die Straße, radikale Gruppen nutzen die Proteste für Ausschreitungen. Auch in anderen Ländern kam es zu Massenprotesten. Die Behörden in Marseille setzen mit dem Versammlungsverbot nun auf eine schnelle Eindämmung der Lage, während die Regierung in Paris über weitere Maßnahmen berät.

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Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.