Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will sich Ende September in New York mit US-Präsident Donald Trump treffen. Das kündigte Selenskyj am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney in Calgary an. «Ende September werden wir, denke ich, die Gelegenheit haben, das amerikanische Team in New York zu treffen», sagte er. Zu diesem Zeitpunkt findet in New York die Generaldebatte der UN-Vollversammlung statt.

Selenskyj hatte bereits am Dienstag die Hoffnung geäußert, Trump noch in diesem Monat zu treffen. Er wolle mit dem US-Präsidenten über ein Paket zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr sprechen. Die Ukraine ist auf Patriotraketen aus US-Produktion angewiesen, um sich gegen die massiven russischen Luftangriffe zu schützen. Kiew klagt über einen zunehmenden Mangel an Abfangraketen, seitdem die USA im Februar den Iran-Krieg begonnen und Raketenlieferungen in die Golfregion umgeleitet hatten.

Russland hatte seine Drohnen- und Raketenangriffe auf die Ukraine in den vergangenen Tagen wieder verstärkt. Wegen eines Besuchs der US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff hatte Russland die Angriffe zuvor für drei Tage eingestellt. Die beiden Sondergesandten von US-Präsident Trump waren am Wochenende nach Russland und erstmals auch in die Ukraine gereist, um beiden Seiten neue Vorschläge für eine Beendigung des Konflikts vorzulegen.

Bei einem russischen Drohnenangriff sind in der südostukrainischen Stadt Pawlohrad mindestens vier Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt worden. Das teilte Selenskyj am Abend auf der Plattform X mit. Die Opfer hätten sich lediglich in der Nähe von Einkaufszentren aufgehalten. Laut Staatsanwaltschaft der Region Dnipropetrowsk wurden bei der Attacke zudem mehrere Geschäfte und Autos beschädigt. Die Behörde ermittelt wegen eines möglichen Kriegsverbrechens. Pawlohrad ist rund 80 Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Durch russische Angriffe, die Wohngebäude trafen, wurden zudem in Kramatorsk Dutzende weitere Menschen verletzt, wie Selenskyj weiter schrieb. Auch andere Städte wie Kiew und Dnipro sowie Gemeinden in den Regionen Dnipro, Donezk, Sumy, Tschernihiw und Charkiw seien attackiert worden. «Wir arbeiten mit höchster Intensität mit unseren Partnern zusammen, um die Ukrainer vor diesem russischen Terror schützen zu können», teilte Selenskyj mit. Es würden Entscheidungen über weitere Unterstützungspakete für die Ukraine getroffen, darunter Rüstungshilfe und Unterstützung speziell zum Schutz des ukrainischen Luftraums. Weitere Hilfspakete würden vorbereitet.

Vor den russischen Parlamentswahlen am 20. September wird es nach Angaben Selenskyjs kein trilaterales Treffen zur Beendigung des Krieges geben. Ukrainische und US-Unterhändler stünden in ständigem Kontakt, sagte der Staatschef am Abend. Er hoffe auf Fortschritte bei den Gesprächen über Energie- und Getreidefragen Ende September nach einem Treffen mit Trump.

Die Regierung in Ottawa sagt der Ukraine ein Hilfspaket im Umfang von 350 Millionen kanadischen Dollar (etwa 218 Millionen Euro) für Abfangraketen zu. Nach einem Treffen mit Selenskyj erklärte Premierminister Mark Carney, die Ausrüstung solle helfen, die Bevölkerung und die Infrastruktur vor russischen Angriffen zu schützen. Die Waffen werden über ein US-Programm bereitgestellt, das es Drittstaaten ermöglicht, Rüstungsgüter wie Patriot-Raketen schnell für die Ukraine zu beschaffen. Zudem plant Kanada laut Carney, die Drohnenproduktion in den kommenden zwei Jahren auf mehrere Millionen Stück zu steigern. Ein Drittel davon solle an Kiew geliefert werden.

Eine zunächst unklare Gefahrenlage hat am frühen Abend einen größeren Polizeieinsatz am ukrainischen Generalkonsulat in Düsseldorf ausgelöst. Eine Polizeisprecherin bestätigte den Einsatz im Umfeld des Gebäudes. Auslöser sei ein Hinweis auf eine mögliche Bedrohung gewesen, dem die Polizei nachgegangen sei. Der Einsatz begann den Angaben zufolge etwa um 17.30 Uhr. Das Generalkonsulat wurde weiträumig abgesperrt, auch ein Straßenabschnitt in der Düsseldorfer Innenstadt wurde mit Flatterband gesperrt. Mehrere Polizeiwagen waren vor Ort. Einsatzkräfte durchsuchten das Gebäude und sein Umfeld. Der Hinweis auf eine Bedrohung habe sich jedoch nicht bestätigt. Der Einsatz sei deshalb gegen 19.15 Uhr beendet worden.

Russland rekrutiert nach Angaben von Amnesty International mit Täuschung, Zwang und Ausbeutung Menschen aus dem Ausland für seine Streitkräfte und schickt sie in den Krieg gegen die Ukraine. In vielen Fällen erfülle dies den Tatbestand des Menschenhandels, sagte die Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation, Agnès Callamard, am Donnerstag in Kiew. Ins Visier der russischen Anwerber geraten demnach vor allem Menschen aus einkommensschwachen Ländern des Globalen Südens.

Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.