Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Botschafterin der Ukraine in den USA, Olha Stefanischyna, entlassen. Stefanischyna erklärte, sie habe selbst um ihre Entlassung gebeten. Wer den wichtigen Posten in Washington übernehmen soll, blieb zunächst offen. Selenskyj entband die Diplomatin am Montag per Präsidialerlass von ihrem Amt.

Stefanischyna ist in der ukrainischen Politik keine Unbekannte: Sie war früher Justizministerin des Landes und wurde erst im Juli des vergangenen Jahres zur Botschafterin in den USA ernannt. Damit war ihre Zeit in Washington vergleichsweise kurz. Der Posten gilt als einer der wichtigsten in der ukrainischen Diplomatie, denn das von Russland angegriffene Land ist im Verteidigungskrieg in hohem Maße auf US-Waffenlieferungen und Geheimdienstinformationen angewiesen. Die Zusammenarbeit mit Washington wird maßgeblich über die Botschaft und ihre Leitung koordiniert.

Die Entlassung fällt in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen Kiew und Washington. Das Verhältnis zwischen Selenskyj und US-Präsident Donald Trump galt zuletzt als schwierig, auch wenn Trump sich in jüngster Zeit wieder wohlwollender über Selenskyj geäußert hat. So kündigte Trump an, die USA würden der Ukraine das Recht geben, Patriot-Flugabwehrsysteme selbst herzustellen. Wenig später äußerte er sich zu der Frage allerdings zurückhaltender; eine konkrete Umsetzung der Ankündigung wurde bislang nicht bekannt. Die Patriot-Systeme spielen eine zentrale Rolle beim Schutz ukrainischer Städte und der Infrastruktur, insbesondere vor ballistischen Raketen.

Neben der Diplomatie bestimmte am Montag auch der Krieg zur See die Nachrichtenlage. Bei einem Drohnenangriff auf einen türkischen Frachter sind nach türkischen Regierungsangaben mindestens drei Seeleute schwer verletzt worden. Der Angriff traf das Schiff «Nadeschda» rund 20 Seemeilen, etwa 37 Kilometer, vom russischen Hafen Noworossijsk entfernt. Der Frachter, der unter der Flagge von Kamerun fährt, war auf dem Weg in die türkische Hafenstadt Samsun. An Bord brach nach dem Angriff ein Brand aus.

Alle 23 Besatzungsmitglieder wurden von der russischen Marine nach Noworossijsk in Sicherheit gebracht, teilte die türkische Generaldirektion für Seeverkehr mit. Die Behörde ließ zunächst offen, von wem die Drohnen stammten. Türkische Medien berichteten unter Berufung auf den Kapitän, mehrere ukrainische Drohnen hätten das Schiff angegriffen. Russland und die Ukraine haben in den vergangenen Wochen ihre gegenseitigen Angriffe auf den Schiffsverkehr im Schwarzen Meer verstärkt; der Angriff auf die «Nadeschda» reiht sich in diese Serie ein.

Auch an Land gab es neue Gewalt: Bei einem Angriff auf eine Tankstelle in der Südostukraine kamen nach ukrainischen Angaben Menschen ums Leben. Zudem wurde ein Lager des russischen Versandhändlers Wildberries attackiert; es war nicht der erste Angriff auf ein Lager des Unternehmens. Eine Verspätung soll nach ersten Erkenntnissen einen Brand an Bord eines DHL-Flugzeugs verhindert haben. Selenskyj zeigte sich unterdessen zuversichtlich, dass der Krieg bis zum Herbst beendet werden könne, und verwies auf die Bedeutung von Drohnen-Technologie für künftige militärische Abkommen.

Die Ereignisse des Montags zeigen: Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine betrifft nicht nur die Front, sondern auch die Diplomatie und den Schiffsverkehr im Schwarzen Meer. Während Selenskyj die Leitung einer der wichtigsten Auslandsvertretungen neu ordnet, bleibt die Lage in dem Seegebiet angespannt.