Die russlandfreundliche Amtsinhaberin Ilijana Jotowa hat die Präsidentschaftswahl in Bulgarien laut Nachwahlbefragungen klar gewonnen. In der Stichwahl am Sonntag kam die 62-Jährige nach Prognosen auf zwischen 50,7 und 52,5 Prozent. Ihr prowestlicher Herausforderer Andrej Gjurow erreichte demnach zwischen 43,4 und 44 Prozent. Nach den Prognosen liegt Jotowa damit deutlich vor dem Herausforderer, ein Wechsel an der Staatsspitze ist somit nicht zu erwarten.
Die Abstimmung galt vor allem als Entscheidung über den außenpolitischen Kurs des Landes. Im Mittelpunkt standen das Verhältnis zu Moskau und der Ukraine-Krieg. Jotowa spricht sich für einen Dialog mit Russland aus, um den Krieg zu beenden. Gjurow vertrat dagegen den prowestlichen Kurs seines Lagers. Der Wahlkampf fand zudem vor dem Hintergrund mehrerer Drohnenangriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer statt, die die Sicherheitslage in der Region zusätzlich angespannt haben.
Im ersten Wahlgang vor einer Woche lag Jotowa mit 35 Prozent nur knapp vor Gjurow, der auf 32 Prozent kam. Die Amtsinhaberin schnitt damit deutlich schlechter ab, als Umfragen es vorhergesagt hatten. In der Stichwahl konnte sie diesen Rückstand aufholen und den Abstand zu ihrem Herausforderer deutlich vergrößern. Der Ausgang zeigt, dass sich viele Wählerinnen und Wähler in der zweiten Runde für die Amtsinhaberin entschieden haben.
Jotowa ist eine ehemalige Journalistin und sozialistische Europaabgeordnete. Sie hatte das Präsidentenamt erst im Januar von Rumen Radew übernommen. Radew war zurückgetreten, gewann anschließend die Parlamentswahl und übernahm das Amt des Ministerpräsidenten. Die Präsidentschaftswahl ist damit auch eine Weichenstellung im Verhältnis zwischen Staatsoberhaupt und Regierung, da Jotowa und Radew politisch nicht dieselben Positionen vertreten.
Mit dem Ausgang der Stichwahl bleibt Jotowa im Amt, wie die ersten Prognosen nahelegen. Für Bulgarien und seine Nachbarn ist damit entschieden, dass die Außenpolitik des Landes in der Ukraine-Frage weiterhin im Spannungsfeld zwischen dem europäischen Westen und Moskau bleibt. Eine offizielle Bestätigung des amtlichen Endergebnisses stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch aus.
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