Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Darstellung von US-Präsident Donald Trump zurückgewiesen, wonach eine Einigung über die Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen erzielt worden sei. In einer in sozialen Medien verbreiteten Videobotschaft sagte Netanjahu, Israel habe den Plan des von Trump gegründeten Friedensrats nur als Entwurf erhalten. «Wir haben nicht zugestimmt», betonte er. Israel habe dem Entwurf stattdessen Anmerkungen beigefügt. Details nannte der Regierungschef nicht.

Trump hatte am Freitag mitgeteilt, der Friedensrat habe eine Einigung auf eine vollständige Entwaffnung der islamistischen Terrororganisation Hamas erzielt. Der Plan sieht vor, dass die Hamas ihre Waffen abgibt und die israelische Armee sich aus dem Gazastreifen zurückzieht. Netanjahu macht die vollständige Entwaffnung der Hamas zur Bedingung für einen Abzug israelischer Truppen aus dem Küstenstreifen. Mit seiner Videobotschaft äußerte er sich erstmals öffentlich zu dem Friedensplan und stellte zugleich die von Trump verkündete Einigung infrage.

Nach einem Bericht der Zeitung «Le Monde» praktiziert Israels Armee im Libanon ein ähnliches Modell. Demnach entwaffnet die libanesische Armee Kämpfer der Terrororganisation Hisbollah, im Gegenzug zieht das israelische Militär aus den entsprechenden Regionen ab. Ob das Vorgehen im Libanon als Vorbild für den Gazastreifen dienen könnte, blieb zunächst offen.

Unterdessen verdichten sich Hinweise auf eine Übergangslösung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran um die Straße von Hormus. Laut dem US-Portal «Axios» stehen die USA, der Iran und der Oman kurz vor einer Vereinbarung zur Öffnung der für die Handelsschifffahrt wichtigen Meerenge. Unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten und zwei Quellen aus der Golfregion berichtete das Portal, die USA strebten bereits für Mittwoch eine Einigung an. US-Präsident Trump sagte vor Reportern, es könnte passieren, dass die Meerenge am Mittwoch geöffnet werde – oder am darauffolgenden Tag. Er sprach von Fortschritten. In einem Interview mit Fox News sagte er, man führe «sehr gute» Gespräche.

US-Finanzminister Scott Bessent stellte ebenfalls eine mögliche Einigung für die kommenden Stunden in Aussicht. «Wir befinden uns in Gesprächen mit den Iranern, und ich denke, es besteht die Chance, dass wir heute oder morgen eine Einigung erzielen, um die Meerenge zu öffnen», sagte Bessent in einem Interview des US-Senders CNBC. Die Übergangslösung solle nach Angaben von «Axios» einige Forderungen des Iran erfüllen und ihm mehr Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge geben, als er vor dem Krieg gehabt habe. Eine offizielle Stellungnahme des Weißen Hauses oder anderer US-Behörden gab es zunächst nicht.

Katar, das gemeinsam mit Pakistan zwischen den USA und dem Iran vermittelt, mahnte derweil zur Geduld. Eine Einigung zur Straße von Hormus gebe es derzeit noch nicht, sagte der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, in Doha. Allerdings seien die diplomatischen Bemühungen «bereits weit fortgeschritten». Die Vermittler arbeiteten daran, die unterschiedlichen Standpunkte zusammenzuführen. «Es werden ständig Entwürfe ausgetauscht», so al-Ansari. Der Schwerpunkt liege darauf, eine Eskalation zu verhindern und die Wiedereröffnung der Meerenge zu erreichen.

Im Roten Meer wurde derweil erneut ein Handelsschiff angegriffen. Vor der Küste Jemens sank am Dienstag ein unter indischer Flagge fahrender Frachter. Die Küstenwache rettete nach Angaben eines Beamten aus der Stadt Mokka alle Besatzungsmitglieder der «Faize Noore Oliya». An Bord waren demnach 13 indische Staatsangehörige und ein jemenitischer Staatsbürger. Das Schiff sei südlich der von der pro-iranischen Huthi-Miliz kontrollierten Hafenstadt Hodeida beschossen worden.

Die international anerkannte Regierung Jemens machte die Huthis für den Angriff verantwortlich. Die von Teheran unterstützte Miliz hatte in der vergangenen Woche eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und seither nach eigenen Angaben saudische Öltanker und Ölanlagen attackiert. Saudi-Arabien griff seinerseits Ziele in von den Huthis kontrollierten Gebieten an. Indiens Schifffahrtsminister Sarbananda Sonowal schrieb auf der Plattform X, das Schiff sei «in der Nähe jemenitischer Gewässer von einem Geschoss getroffen worden». Indien verurteile «diesen unprovozierten Angriff aufs Schärfste».