In der neuen russischen Staatsduma hat nach einer Auswertung des unabhängigen Exilmediums Meduza etwa jeder dritte Abgeordnete eine direkte oder indirekte Verbindung zum Krieg gegen die Ukraine. Das Medium analysierte die Biografien der voraussichtlich ins Parlament einziehenden Abgeordneten nach der Wahl am vergangenen Wochenende und fand bei 148 von ihnen entsprechende Bezüge. Das entspricht rund einem Drittel der 450 Sitze.
Meduza zählt 54 künftige Abgeordnete mit unmittelbarer Verbindung zum Krieg, darunter Kommandeure, Militärangehörige und Ärzte. Weitere 94 Personen hätten die Armee finanziert oder ausgerüstet, Soldaten ausgebildet, militärische Infrastruktur unterstützt oder Kriegspropaganda verbreitet. Unter den Gewählten sind zudem Personen, denen ukrainische Behörden Kriegsverbrechen vorwerfen.
Die Zahl liegt deutlich über der offiziellen russischen Statistik. Nach Angaben der Vorsitzenden der Zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa, wurden 46 Teilnehmer und Veteranen der von Moskau sogenannten «militärischen Spezialoperation» in die Duma gewählt. Meduza fasst den Kreis jedoch wesentlich weiter und zählt auch Abgeordnete mit nachweisbaren Verbindungen zur Finanzierung und Unterstützung des Krieges. Die Analyse basiert auf der vorläufigen Zusammensetzung der neuen Duma. Die Zahl kann sich noch ändern, wenn einzelne Gewählte ihr Mandat nicht annehmen oder andere Ämter übernehmen.
Unterdessen könnte nach russischen Angaben bald ein Dreiertreffen zwischen den USA, Russland und der Ukraine stattfinden. Es gebe dazu jedoch noch keine Einzelheiten, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte erklärt, dass ein solches Treffen auf technischer Ebene in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden könnte. Peskow teilte zudem mit, dass der russische Sonderbeauftragte Kirill Dmitrijew Gespräche in den USA geführt habe. Dabei sei es vorwiegend um wirtschaftliche Themen gegangen. Dmitrijew traf sich am 24. September mit den US-Vertretern Steve Witkoff und Jared Kushner, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte.
Die USA gewähren der Ukraine nach Angaben von Selenskyj die Lizenzen zur Herstellung von Patriot-Luftabwehrraketen in der Ukraine. «Bei unserem letzten Treffen hat Präsident Trump mir gegenüber betont, dass er eine endgültige Entscheidung getroffen hat. Die Ukraine wird Lizenzen für die Herstellung von Patriot-Raketen erhalten», sagte Selenskyj am Freitag in einer Sprachnachricht an Journalisten.
In Kiew hat eine russische Kampfdrohne nach ukrainischen Polizeiangaben am Morgen ein Hochhaus getroffen und einen 14-jährigen Jungen getötet. Mindestens sieben weitere Bewohner des Wohnblocks seien verletzt worden, teilte die Polizei der ukrainischen Hauptstadt auf Telegram mit. Präsident Selenskyj bestätigte die Angaben. Über dem Zentrum war Abwehrfeuer zu hören, dann der Flug der Drohne mit Jetantrieb und der Einschlag, wie ein dpa-Reporter berichtete. Luftalarm wurde in diesem Fall erst kurz darauf ausgelöst. Die Ukraine arbeitet noch an einer wirksamen Abwehr gegen die von Russland weiterentwickelten schnellen Shahed-Drohnen mit Düsenantrieb. Nach den nächtlichen russischen Luftangriffen wurde ein weiterer Toter aus Odessa gemeldet.
Finnische und schwedische Kampfjets haben nach finnischen Angaben russische Flugzeuge über der Ostsee abgefangen. Wie die finnische Luftwaffe am Freitag mitteilte, stiegen am Donnerstag Abfangjäger der Einsatzbereitschaft Quick Reaction Alert der beiden Nato-Länder auf, nachdem ein russischer Verband aus einem Tu-134-Transportflugzeug, MiG-31-Kampfflugzeugen und Su-30-Jets «im internationalen Luftraum über dem Finnischen Meerbusen» gesichtet worden war. Es war den Angaben zufolge der erste gemeinsame Abfangeinsatz beider Länder. Der schwedische Regierungschef Ulf Kristersson schrieb im Onlinedienst X, der Ostseeraum sei «noch nie so gefährdet», aber «auch noch nie so gut geschützt» gewesen im Moment. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 haben sich die Spannungen in der Ostsee deutlich erhöht. Kampfflugzeuge nordeuropäischer Nato-Länder fangen immer wieder russische Kampfjets ab. Die EU-Länder Schweden und Finnland gaben aufgrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine ihre jahrzehntelange militärische Bündnisfreiheit auf und traten der Nato bei.
Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau mehrere Ziele in der Ukraine angegriffen. Die Armee habe in der Nacht ukrainische Rüstungsbetriebe, Logistikzentren und Schiffe mit Drohnen attackiert, teilt das Ministerium mit. Getroffen worden seien unter anderem ein Montage- und Lagerplatz für Drohnen in der Region Kiew, Logistikzentren in der Region Odessa sowie die Hafeninfrastruktur in Reni. Einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters zufolge war nahe dem Zentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew eine Explosion zu hören. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ist zudem ein Frachtschiff mit Militärgütern auf dem Weg nach Odessa getroffen worden.
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