Ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Flydubai auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv ist nach einem gewaltsamen Zwischenfall im Cockpit auf dem Flughafen Tabuk in Saudi-Arabien notgelandet. Nach übereinstimmenden Berichten israelischer Medien soll ein Pilot seinen Kollegen mit einem Messer verletzt haben. Passagiere griffen ein und überwältigten den Angreifer. Die israelischen Behörden prüfen den Verdacht eines gescheiterten Terroranschlags.

Das Flugzeug befand sich auf dem Weg nach Tel Aviv, als es über Saudi-Arabien abdrehte und in Tabuk landete. Zuvor hatte die Maschine den Notfallcode 7700 abgesetzt, der auf eine allgemeine Notlage hinweist, und anschließend den Code 7500, mit dem eine Flugzeugentführung gemeldet wird. Der Flughafen Tabuk bestätigte die Notlandung und teilte mit, dass der Kapitän und der erste Offizier mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht wurden. Angaben über weitere Verletzte gab es zunächst nicht.

Nach einem Bericht des israelischen Nachrichtenportals «ynet» sei die Maschine zu Beginn des Vorfalls steil in die Tiefe geflogen. Einer der Piloten habe den anderen mit Hilfe von Passagieren daran gehindert, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Ein Bild von Bord der gelandeten Maschine soll einen Passagier mit einem blutbefleckten Hemd zeigen. Einer der Piloten erlitt eine Stichverletzung. Zunächst war nur von einer Prügelei zwischen dem Kapitän und dem Copiloten die Rede gewesen.

«ynet» veröffentlichte zudem eine Videobotschaft, die einen israelischen Passagier mit blutüberströmtem Gesicht direkt nach dem Vorfall an Bord zeigen soll. «Wir haben die Terroristen überwältigt», sagte er. Die Landung stehe unmittelbar bevor. «Wir brauchen Hilfe.»

Eine Israelin schilderte dem TV-Sender N12, unter den Passagieren habe große Angst geherrscht, es habe «Schreie und Panik» gegeben. «Einige Männer, darunter auch Israelis, standen auf und überwältigten den Angreifer», sagte sie. Es gehe den Passagieren der Maschine inzwischen gut. «Die Situation hätte aber auch anders enden können», sagte sie. Eine weitere Israelin berichtete, sie habe Schreie im Flugzeug gehört und anschließend viel Blut im Cockpit gesehen. «Es gab Momente, in denen wir dachten, dass wir das nicht lebend überstehen würden.»

Ein namentlich nicht genannter ranghoher israelischer Regierungsvertreter sagte dem TV-Sender N12, es sei eine schwere Katastrophe verhindert worden. Eine israelische Sprecherin bestätigte, dass der tatverdächtige Copilot gegenwärtig in Saudi-Arabien befragt wird. Die israelischen Passagiere warten den Berichten zufolge auf ihre Heimreise. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, die Lage sei unter Kontrolle und man unternehme alles, um die sichere Rückkehr der israelischen Passagiere in ihre Heimat zu gewährleisten.

Die Passagiere an Bord wurden laut N12 angewiesen, sitzenzubleiben und das Flugzeug nicht zu verlassen. Lediglich die beiden Piloten seien von Bord gebracht worden. Noch sei unklar, ob sie mit einem Ersatzflugzeug oder von der israelischen Luftwaffe nach Israel gebracht werden sollen.

Zur Herkunft der Piloten gibt es widersprüchliche Angaben. «ynet» berichtete, der tatverdächtige Copilot stamme aus dem Oman. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Zunächst hatte es geheißen, der Pilot sei russischer und der Copilot ukrainischer Herkunft. Das russische Generalkonsulat in Dubai teilte der Moskauer staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge mit, die Berichte über einen russischen Piloten im Cockpit entsprächen nicht den Tatsachen. Das Konsulat habe von der Airline die Information erhalten, dass kein russischer Staatsbürger an Bord gewesen sei.

Flydubai bestätigte laut dem Sender Al-Arabija einen «Vorfall» an Bord. Für Medienberichte, wonach in Israel zunehmend von einem gescheiterten Terroranschlag auf die Maschine mit rund 180 israelischen Passagieren ausgegangen werde, gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

Der Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund der 2020 im Rahmen eines Annäherungsabkommens aufgenommenen Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Seitdem wurde die Zusammenarbeit in Bereichen wie Wirtschaft und Verteidigung verstärkt. Dubai ist unter Israelis in den letzten Jahren zu einem beliebten Reiseziel geworden. Netanjahu war erst am Sonntag auf Einladung von Präsident Mohammed bin Sajid in die Emirate gereist. Israel und Saudi-Arabien unterhalten bislang keine diplomatischen Beziehungen, arbeiten jedoch nach Medienberichten hinter den Kulissen in einigen Bereichen zusammen. Eine mögliche Normalisierung der Beziehungen ist seit Jahren Gegenstand diplomatischer Bemühungen, gilt aber seit dem Gaza-Krieg als zunehmend unwahrscheinlich.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.