Der Alternative Nobelpreis zeichnet in diesem Jahr Frauen und von Frauen geführte Organisationen aus, die sich gegen tief verwurzelte Machtstrukturen zur Wehr setzen und die Menschenrechte stärken. Wie die Right-Livelihood-Stiftung bei der Bekanntgabe in Stockholm mitteilte, gehen die Auszeichnungen an die pakistanische Anwältin Jalila Haider, die US-Informatikerin Timnit Gebru, das Netzwerk Rural Women's Assembly im südlichen Afrika und die Georgian Young Lawyers' Association unter der Leitung von Tamar Oniani.

Die Preisträger eint nach Angaben der Stiftung der Widerstand gegen Systeme, die Menschen an den Rand drängen, sowie die Überzeugung, dass der Mensch wieder in den Mittelpunkt gehören müsse. Stiftungsdirektor Ole von Uexküll sagte, alle Ausgezeichneten zeigten, «dass die Anliegen, für die sie stehen, und die Menschen, für die sie einstehen, nicht machtlos sind». Macht müsse nicht auf Hierarchie und Gewalt beruhen, sondern sei auch die Fähigkeit, zusammenzuhalten und allen eine Stimme zu geben.

Die US-Amerikanerin Timnit Gebru forscht zu Künstlicher Intelligenz und legt sich mit einigen der mächtigsten Technologiekonzerne der Welt an. Bei Google leitete sie ein Team für ethische Fragen der KI und warnte früh vor den Gefahren großer Sprachmodelle. Heute zeigt sie Alternativen auf, argumentiert gegen riesige Rechenzentren, kritisiert fehlende Offenlegung von Algorithmen und belegt, wie KI-Modelle Ungleichheiten reproduzieren und verfestigen. «Ich hoffe, diese Auszeichnung zeigt anderen Wissenschaftler*innen und Ingenieur*innen, dass Wissenschaft Menschenrechte einbeziehen kann», sagte Gebru.

Die pakistanische Menschenrechtsanwältin Jalila Haider setzt sich in der Region Baluchistan für die Rechte der unterdrückten Hazara-Gemeinschaft ein. Als erste Frau ihrer Volksgruppe wurde sie Rechtsanwältin. Von Uexküll nannte sie «ein unglaubliches Beispiel dafür, wie der Kampf gegen Diskriminierung» funktionieren könne. An einem Ort, der von Ausgrenzung und Unterdrückung gegen Frauen, ethnische Minderheiten und die LGBTQ+-Gemeinschaft geprägt sei, sei sie «eine der wichtigsten Kämpferinnen für Menschenrechte in Pakistan».

Das Netzwerk Rural Women's Assembly vertritt mehr als 178.000 Kleinbäuerinnen in elf Ländern des südlichen Afrikas. Die Frauen wollen selbst über ihr Land, ihr Saatgut und ihre Körper bestimmen, wehren sich gegen sexuelle Gewalt und fordern die Rechte von Frauen als Landbesitzerinnen ein. «Eine einzelne Stimme kann keinen Berg versetzen», sagte RWA-Regionalkoordinatorin Mercia Andrews. «Es ist die beharrliche, vereinte Kraft Tausender Frauen im ländlichen Raum, die sich zusammenschließen und etwas, das als unverrückbar galt, ins Wanken bringen.»

Die 1994 gegründete Anwaltsorganisation Georgian Young Lawyers' Association erhält den Preis als erste Preisträgerin aus Georgien. Die Stiftung würdigt damit «den Aufbau und die Verteidigung der Demokratie in Georgien und die Wahrung zivilgesellschaftlicher Handlungsfähigkeit unter autokratischem Druck». Trotz massiver Repressionen durch die Regierung halte die Organisation an ihrer Arbeit fest, so von Uexküll.

Mit allen Preisträgern verbindet die Stiftung die Hoffnung auf grundlegende Paradigmenwechsel, die schnell kommen können. Wenn die Zivilgesellschaft erfolgreich sei, könnten in Pakistan Menschen an die Macht kommen, die sich für Minderheitenrechte einsetzten. «Wir könnten auch schon unter der nächsten US-Regierung den Einfluss der Tech-Bros radikal beschneiden», sagte von Uexküll. Die Jury wählte die Preisträger aus 200 Nominierten aus. Der Right Livelihood Award wird jährlich für Engagement in den Bereichen Klimaschutz, Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden vergeben. Die feierliche Übergabe findet am 1. Dezember in Stockholm statt.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.