Lothar Matthäus hat der Einschätzung von Bastian Schweinsteiger widersprochen, wonach die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Mittelmaß angekommen sei. Der Rekord-Nationalspieler sieht die Ursache für die anhaltende sportliche Krise nicht in fehlender Qualität, sondern in einer mangelnden Grundhaltung innerhalb der Mannschaft. «Unsere Nationalmannschaft ist kein Mittelmaß! Wir haben genügend Unterschiedsspieler, die bei Topclubs wie dem FC Bayern, Barcelona oder Arsenal Woche für Woche unter Beweis stellen, dass sie hohe Qualität haben», sagte Matthäus der «Bild»-Zeitung. Die Nationalspieler hätten aus seiner Sicht «kein Qualitäts-, sondern ein Mentalitätsproblem».

Auslöser der Debatte war die 0:1-Niederlage der deutschen Auswahl gegen Griechenland am Sonntag in Augsburg. Der ehemalige Weltmeister Schweinsteiger hatte das DFB-Team anschließend als ARD-Experte scharf kritisiert: «Wir sind keine Topmannschaft mehr. Wir sind im Mittelmaß angekommen. Wir haben nicht diese Spieler mehr, die den Unterschied ausmachen.» Matthäus hält diese Bewertung für falsch. «Unsere Nationalspieler müssen mehr Mentalität zeigen. Deutschland kann und muss wieder schwer zu schlagen sein, wie es in der Vergangenheit der Fall war und wofür wir gefürchtet wurden», forderte der Weltmeister von 1990.

Als Belege für die vorhandene individuelle Klasse nannte Matthäus mehrere Spieler. «Ein Kai Havertz spielt nicht umsonst im Sturm beim englischen Meister und Champions-League-Finalisten Arsenal London. Karim Adeyemi zeigt sich beim FC Barcelona in der Form seines Lebens», zählte er auf. Das Duo Jamal Musiala und Florian Wirtz habe einen gemeinsamen Marktwert von über 200 Millionen Euro. «Und mit Joshua Kimmich haben wir in der Zentrale einen echten Leader.» In Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah gebe es zudem ein starkes Duo in der Innenverteidigung. Auch Yann Aurel Bisseck, der bei Inter Mailand spielt, führte Matthäus als Beispiel an. «Mein alter Kollege Giuseppe Bergomi schwärmte über ihn, er sei schon jetzt Weltklasse», sagte der Sky/RTL-Fußballexperte. «Wenn mir das so ein Experte sagt, dann glaube ich ihm das.»

Trotz der unterschiedlichen Einschätzungen sind sich Schweinsteiger und Matthäus in einem Punkt einig: Beide halten den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp für den richtigen Mann, um den Neuaufbau der Mannschaft voranzutreiben. Matthäus betonte, Klopp bringe die nötige Mentalität mit und lebe sie vor. «Wenn es einer kann, sie auf diese Mannschaft zu übertragen, dann er.» Der 65-Jährige sieht in der Personalie Klopp demnach den entscheidenden Faktor, um die von ihm diagnostizierte Einstellungsfrage zu lösen und das Team wieder konkurrenzfähig zu machen.

Die Diskussion über den Zustand der Nationalmannschaft dürfte auch nach dem Griechenland-Spiel weitergehen. Während Schweinsteiger die These vertritt, dass die Mannschaft nicht mehr über genügend Unterschiedsspieler verfügt, verweist Matthäus auf die internationalen Einsätze und den Marktwert der aktuellen Auswahl. Seine Argumentation stützt sich auf die Annahme, dass die Qualität im Kader vorhanden ist und es vor allem an der Fähigkeit fehlt, in schwierigen Spielen Widerstand zu leisten. Genau diese Eigenschaft, so Matthäus, habe Deutschland in der Vergangenheit ausgezeichnet und müsse zurückkehren.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.