Drei Wochen nach ihrem überraschenden Rücktritt als Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende hat Bärbel Bas erstmals öffentlich über ihre Beweggründe gesprochen. In einem Interview mit der ARD-Sendung „Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Bärbel Bas“ schilderte die 58-Jährige, wie schwer die vergangenen Wochen für sie waren. „Es ist schon manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen. Wenn man sich fragt, wofür?“, sagte sie.

Auslöser der persönlichen Krise war der Tod ihrer Stieftochter Ende September. Die Stieftochter war an Krebs gestorben, Bas hatte sie im Hospiz begleitet. Beide verband über viele Jahre eine sehr enge Beziehung. Die Zeit im Hospiz habe ihr viel Kraft geraubt, sagte Bas. Für Politik sei danach kein Kopf mehr frei gewesen. Schon im Laufe des Septembers habe sie gemerkt, dass ihre Kraft nachlässt.

Es ist nicht der erste schwere Verlust für die Sozialdemokratin. Bereits 2020 war ihr Ehemann Siegfried Ambrosius gestorben, der Vater ihrer Stieftochter. Dass sie sich auch diesmal wieder fangen werde, daran zweifle sie nicht. „Ich habe das schon einmal mitgemacht, aber dafür brauche ich Zeit.“ Diese Zeit, so Bas, werde ihr in einem politisch herausragenden Amt aber niemand geben.

Neben der persönlichen Belastung nannte Bas den politischen Druck. Aus der Union sei ihr immer wieder vorgeworfen worden, sie mache ihre Arbeit nicht. Dabei sei im Koalitionsausschuss abgesprochen gewesen, die Rentenreform erst nach den Landtagswahlen Ende September vorzulegen. Den CDU-Abgeordneten Christian von Stetten, der ihre Ablösung gefordert hatte, griff sie scharf an und sprach von einer Kampagne. Nach Angaben des WDR, der das Interview führte, sagte sie: „Da merkt man: Da wurde eine Kampagne gefahren.“ Ziel der Angriffe sei es gewesen, die SPD als Bremser bei politischen Reformen darzustellen. Von stetten hatte sie als Ministerin für „nicht mehr tragbar“ bezeichnet. Bas kritisierte, so etwas sage man nicht als Koalitionspartner über eine eigene Ministerin.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisierte sie. Er habe ihr zugesichert, sich um die Angriffe aus seiner Partei zu kümmern. „Es hat aber keinen Anklang gefunden“, sagte Bas. Auch aus der eigenen Partei hätte sie sich mehr Rückendeckung gewünscht.

Zurückgetreten wäre sie nach eigener Aussage wahrscheinlich auch ohne die Angriffe aus der Union. Ihre Kritik an der Union in der Rücktrittserklärung würde sie rückblickend weglassen, wenn sie den folgenden Koalitionsstreit vorhergesehen hätte. Die politischen Folgen bedauere sie inzwischen, an ihrer Kritik halte sie aber fest. Ihr gehe es darum, dass die Koalition zusammenhält und die Partner einander wieder mehr vertrauen.

Was bleibt, ist ein Befund über den politischen Betrieb: Menschlichkeit komme dort oft zu kurz, sagte Bas. Selbst über längere Krankheiten werde kaum gesprochen, weil sich niemand schwach zeigen wolle. Wer die Kraft nicht mehr habe, müsse dann eben Platz machen. Die Sendung wird am Montagabend um 21.45 Uhr in einer 30-minütigen Fassung im Ersten ausgestrahlt, ab 22.15 Uhr im WDR Fernsehen in einer 60-minütigen Fassung. Die lange Version ist ab 17 Uhr in der ARD Mediathek abrufbar.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.