Das US-israelische Rüstungsunternehmen Covenant will in Sachsen eine Produktion weitreichender Marschflugkörper aufbauen. Die ersten Waffen des Typs Anthem sollen im kommenden Jahr im Raum Leipzig für europäische Kunden vom Band laufen, wie Unternehmenschefin Abigail Denburg mitteilte. Geplant ist, im ersten Jahr rund 1.000 Stück zu fertigen und die Jahresproduktion später auf 5.000 Stück zu steigern.

Anthem kann einen Gefechtskopf von 200 Kilogramm tragen und ist für Präzisionsschläge tief im gegnerischen Gebiet konzipiert. Zu Medienberichten, wonach die Reichweite 1.500 Kilometer beträgt, äußert sich das Unternehmen nicht. Nach Angaben von Covenant soll die Waffe deutlich günstiger sein als vergleichbare Systeme auf dem Markt. Während andere Marschflugkörper dieser Art mehrere Millionen US-Dollar pro Stück kosten, soll Anthem einen sechsstelligen Betrag kosten, also weniger als eine Million.

Die Massenproduktion hat aus Sicht des Unternehmens auch eine abschreckende Wirkung. „Abschreckung ist eine Kalkulation des Feindes, und diese Kalkulation ändert sich, wenn man über umfangreiche Waffenarsenale verfügt“, sagte Denburg. „Wenn man ein Ziel erreichen und einmal angreifen kann, schreckt das den Feind nicht unbedingt ab.“

Covenant wurde erst 2024 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Washington. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen in drei Finanzierungsrunden mehr als 250 Millionen US-Dollar (rund 215 Millionen Euro) von Investoren eingeworben. Unter den Geldgebern ist auch der Founders Fund, an dem Peter Thiel beteiligt ist. Thiel ist bekannt für seine libertären und rechtskonservativen Positionen, seine Nähe zu US-Präsident Donald Trump und seine Kritik an liberalen Demokratien. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte in der Vergangenheit „ausdrücklich“ Bedenken gegen Thiel geäußert. Öffentlich wurde auch diskutiert, ob durch die Zusammenarbeit neue Abhängigkeiten entstehen oder ob die Gefahr größer wird, im Spannungsfall ohne ausreichend gefüllte Munitionslager dazustehen.

In Deutschland hat Covenant nach eigenen Angaben Generalleutnant a.D. Andreas Marlow als Berater gewonnen. Marlow war bis 2025 Stellvertreter des Heeresinspekteurs und leitete von 2022 an die EU-Ausbildungsmission für die ukrainischen Streitkräfte. Ein in Europa produziertes Programm für Langstreckenflugkörper sei „das fehlende Puzzlestück in unserer Abschreckungsarchitektur“, wird Marlow zitiert.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist Covenant bereits in Gesprächen mit der Bundeswehr und der zuständigen Beschaffungsbehörde, ohne dass dies offiziell bestätigt wird. Denburg sagte ohne direkten Bezug zu Deutschland, es gebe bereits einen Produktionsvertrag für Lieferungen von Deutschland aus, beginnend im ersten Quartal 2027. „Dieser europäische Kunde wird selbst entscheiden, wann er dies bekanntgeben möchte“, sagte sie.

Deutschland und die europäischen Nato-Verbündeten bemühen sich derzeit, weitreichende Waffensysteme als Antwort auf die russische Bedrohung zu beschaffen und auch selbst zu entwickeln. Beim Nato-Gipfel in Ankara hatte sich die Bundesregierung mit den USA auf den Kauf von US-Marschflugkörpern des Typs Tomahawk geeinigt. Die Deutsche Marine hatte Anfang September einen zuvor geheim gehaltenen Test des israelischen Raketensystems Lora erfolgreich abgeschlossen. Deutschland selbst verfügt bereits über den Marschflugkörper Taurus des Rüstungskonzerns MBDA, ist damit aber von einer Massenproduktion weit entfernt.

Die europäischen Nato-Staaten verfügen derzeit noch nicht über eigene Mittelstreckenwaffen. Mittelfristig wollen mehrere Verbündete ein eigenes Waffensystem für weitreichende Präzisionsangriffe auf sogenannte Hochwertziele eines Gegners beschaffen. Dazu wurde 2024 auf dem Nato-Gipfel in Washington das Projekt Elsa („European Long-Range Strike Approach“) angestoßen.

Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.