SAP-Vorstandschef Christian Klein sieht für den Softwarekonzern durch neue Produkte auf Basis künstlicher Intelligenz eine historische Wachstumschance. «Für SAP eröffnet sich gerade die größte Chance für einen weiteren wirklichen Schub», sagte Klein der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Investoren erwarteten eine Umsatzbeschleunigung. «Die Chance, dass SAP noch einmal über sich hinauswächst, war nie größer», betonte der Konzernlenker.

Klein setzt dabei auf die Kombination aus Software zur Unternehmensteuerung, Industriewissen und der Fülle an Daten, über die SAP verfügt. Daraus will der Konzern nach seinen Worten einen «einzigartigen Vorteil» ziehen. Der 46-Jährige, der unweit des Hauptsitzes aufgewachsen ist, gehört seit 1999 zum Unternehmen und führt es seit 2019 als Vorstandsvorsitzender. In den Jahren zuvor hatte er eine Verlagerung der Geschäfte in die Cloud angestoßen. Nun richtet er SAP stark auf neue Geschäfte mit KI-Produkten aus.

Mitte Mai hatte SAP auf einer Kundenkonferenz in den USA das «autonome Unternehmen» vorgestellt. Eine einheitliche KI-Plattform soll die Geschäftsabläufe der Kunden optimieren. SAP-KI-Agenten sollen nach den Worten von Klein in den Geschäftsprozessen, den Daten und der Unternehmensteuerung verankert werden, Ergebnisse liefern und Kosten einsparen. «In der Unternehmenswelt steht die KI im Moment kurz vor dem breiten Durchbruch», sagte Klein. Jetzt gehe es darum, die Stärken der eigenen Plattform im großen Maßstab bei den Kunden unter Beweis zu stellen.

Der Manager machte deutlich, dass SAP auch mit der Weiterentwicklung von Software und Applikationen gut vorangekommen wäre. «Aber KI-Agenten geben unseren Kunden – und damit uns – einen ganz anderen Hebel», sagte er. Allein auf die großen Sprachmodelle bekannter KI-Firmen zu setzen, hätte SAP hingegen austauschbar gemacht. «Unsere KI-Agenten erzielen enorme Produktivitätsgewinne», so Klein. Er rechne damit, dass Kunden schrittweise immer mehr Verantwortung an die Agenten übertragen. Zugleich dämpfte er überzogene Erwartungen: «Aber ein KI-Agent wird in kritischen Unternehmensbereichen auch künftig nicht zu 100 Prozent autonom agieren.» Am Ende trage immer ein Mensch die Verantwortung.

SAP zählt zu den wertvollsten Konzernen im deutschen Leitindex Dax. Im Jahr 2025 stieg der Erlös des Unternehmens dank des starken Zuwachses bei Cloudsoftware um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 7,5 Milliarden Euro. Die Zahlen unterstreichen die Erwartungen, die Klein mit dem KI-Geschäft verbindet. Ob sich die Hoffnungen erfüllen, wird sich nach seinen Worten im breiten Einsatz bei den Kunden entscheiden.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.