Der russische Präsident Wladimir Putin hat das Russland-Geschäft des deutschen Handelskonzerns Metro AG unter Zwangsverwaltung gestellt. Ein entsprechendes Dekret unterstellt sämtliche Vermögenswerte des Unternehmens in Russland einer «temporären Verwaltung». Damit setzt der Kreml seine Reihe von Eingriffen bei Unternehmen aus westlichen Staaten fort, die die Ukraine unterstützen.

Die Metro AG mit Sitz in Düsseldorf war eines der wenigen deutschen Unternehmen, die auch nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 weiterhin in Russland aktiv blieben. Während viele westliche Konzerne ihre Geschäfte dort aufgaben oder verkauften, führte Metro ihre Aktivitäten fort. Nun werden die russischen Vermögenswerte des Handelskonzerns verstaatlicht beziehungsweise unter staatliche Kontrolle gestellt.

Die Zwangsverwaltung bedeutet, dass die Metro ihre russischen Standorte nicht mehr eigenständig steuern kann. Ein von den Behörden eingesetzter Verwalter übernimmt die Kontrolle über das operative Geschäft und die Vermögenswerte. Für den Konzern ist damit unklar, ob und in welcher Form er jemals wieder Zugriff auf diese Teile seines Geschäfts erhalten wird.

Der Schritt reiht sich in eine Serie ähnlicher Maßnahmen Moskaus ein. In den vergangenen Jahren hatte Russland wiederholt bei Unternehmen aus «unfreundlichen Staaten» – also Ländern, die Sanktionen gegen Russland verhängt haben – Zwangsverwaltungen angeordnet. Betroffen waren unter anderem Beteiligungen westlicher Energiekonzerne und anderer Industrieunternehmen. Die russische Regierung begründet solche Schritte mit dem Schutz der eigenen Wirtschaft und als Reaktion auf westliche Sanktionen.

Für die Metro AG bedeutet die Entscheidung einen erheblichen Eingriff in ihre internationale Geschäftstätigkeit. Das Unternehmen betreibt in Russland zahlreiche Großhandelsmärkte und beschäftigt dort Tausende Mitarbeiter. Wie sich die Zwangsverwaltung auf die Beschäftigten und die Versorgung der russischen Kunden auswirkt, ist bislang unklar. Der Konzern selbst hat sich zu dem Vorgang zunächst nicht geäußert.

Die Bundesregierung und die Europäische Union hatten in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass Russland mit solchen Maßnahmen gegen internationales Recht verstößt und ausländische Investoren enteignet. Für deutsche Unternehmen, die noch in Russland engagiert sind, dürfte der Fall Metro ein weiteres Warnsignal sein. Ob und welche Konsequenzen die Bundesregierung aus dem Vorgang zieht, ist offen.

Die Metro AG ist ein international tätiger Großhandelskonzern, der in zahlreichen Ländern Europas und Asiens vertreten ist. In Russland gehörte das Unternehmen zu den größten ausländischen Einzelhandelsinvestoren. Mit der Zwangsverwaltung verliert der Konzern vorerst die Verfügungsgewalt über einen bedeutenden Teil seines Geschäfts. Wie sich die Lage für das Unternehmen und seine russischen Mitarbeiter weiter entwickelt, bleibt abzuwarten.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.