Die durchschnittlichen Stundenlöhne für Beschäftigte in der Langzeitpflege sind nach Angaben des Spitzenverbands der Krankenkassen (GKV) auf 24,50 Euro gestiegen. Das entspricht einem Plus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahlen wurden mitten in der laufenden politischen Debatte über eine Reform der Pflegeversicherung veröffentlicht, die unter extremem Finanzdruck steht.
Wie der GKV-Spitzenverband weiter mitteilte, verdienen Pflegefachkräfte im Schnitt 28,03 Euro pro Stunde, ein Anstieg um 3,6 Prozent. Pflegeassistenzkräfte mit mindestens einjähriger Ausbildung kommen auf 23,36 Euro, ein Plus von 3,3 Prozent. Pflegehilfskräfte ohne Ausbildung erhalten durchschnittlich 20,96 Euro, eine Steigerung um 3,5 Prozent. Auf Monatsbasis ergibt sich laut Bundesagentur für Arbeit für Pflegefachkräfte in der Altenpflege ein Bruttomedian von 4.438 Euro, in der Krankenpflege von 4.587 Euro.
Im Pflegebereich waren 2025 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahr und 320.000 mehr als 2015. Als Grund für den Anstieg wird die gestiegene Pflegebedürftigkeit genannt.
GKV-Chef Oliver Blatt erklärte, Pflegekräfte könnten sich weiterhin auf eine faire Bezahlung im Rahmen der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung verlassen. Er wies jedoch auf die Kehrseite hin: «Die Kehrseite der Medaille ist, dass sich aufgrund des Teilleistungssystems in der Langzeitpflege höhere Löhne stets unmittelbar auf die Eigenanteile der Pflegebedürftigen auswirken. Und die steigen seit Jahren ungebremst.»
Tatsächlich zahlen Pflegeheimbewohner im bundesweiten Schnitt inzwischen mehr als 3.300 Euro im Monat aus eigener Tasche. Das sind 256 Euro mehr als vor einem Jahr, wie Zahlen des Verbands der Ersatzkassen zeigen. Die SPD fordert deshalb einen Deckel für die Eigenanteile. Die Union lehnt das ab und setzt stattdessen auf «sozialverträgliche Leistungszuschüsse», wie Gesundheitsminister Carsten Linnemann im ZDF sagte.
Die Pflegeversicherung steht finanziell massiv unter Druck. Als Hauptgrund gilt die stark gestiegene Zahl Pflegebedürftiger. Linnemann sprach von einer Verdreifachung binnen 20 Jahren auf sechs Millionen Betroffene. Der GKV-Spitzenverband, der auch die Pflegekassen vertritt, rechnet für dieses Jahr mit einem Defizit von 1,2 Milliarden Euro. Für das kommende Jahr wird ein Minus von 7,6 Milliarden Euro erwartet. Laut dem Gesetzentwurf der Regierung drohen in den nächsten Jahren Defizite in zweistelliger Milliardenhöhe.
Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch die erste Stufe einer Pflegereform auf den Weg gebracht, die die Finanznot zunächst etwas lindern soll. Vorgesehen ist unter anderem die Streichung geplanter Leistungsanhebungen für 2028. «Fachlich sinnvolle» Änderungen bei der Begutachtung sollen den Anstieg der Zahl Pflegebedürftiger begrenzen. Der Beitrag für Kinderlose soll zum 1. Januar um 0,3 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent steigen. Für Eltern bleibt es bei 3,6 Prozent, ab zwei Kindern gelten geringere Sätze. Eine Kommission soll bis Januar weitere Reformvorschläge erarbeiten.
Der Entwurf muss noch durch Bundestag und Bundesrat und dürfte dort noch verändert werden. DAK-Chef Andreas Storm äußerte in der «Rheinischen Post» verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Beitragsunterschiede. «Weiter dürfe die Spreizung nicht gehen», sagte er. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, kritisierte: «Dieses Gesetz ist kein Pflegeneuordnungsgesetz, sondern ein Einspargesetz.» Pflegende Angehörige bräuchten Entlastung, keine zusätzlichen Belastungen.
Linke-Fraktionschef Sören Pellmann nannte den Entwurf eine «Kürzungsorgie auf dem Rücken von Millionen Menschen mit Pflegebedarf». Seine Partei fordert, die Eigenanteile im Pflegeheim auf null zu senken. Zur Finanzierung sollten private Pflegeversicherte, Kapitaleinkünfte und Einkommen bis zu einer deutlich höheren Beitragsbemessungsgrenze herangezogen werden.
28

