Nach dem Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz haben die Angreifer ihre Drohung wahr gemacht und sensible Daten veröffentlicht. Die Hackergruppe Rhysida stellte nach übereinstimmenden Medienberichten rund 1,4 Millionen Datensätze im Darknet bereit, darunter offenbar auch private Daten von Bürgern. Der Berliner Senat hatte sich zuvor geweigert, ein Lösegeld in Millionenhöhe zu zahlen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt nun vor einer erhöhten Cyber-Bedrohung. Betroffene des Datenlecks müssten mit gezielten Phishing-Angriffen und Identitätsdiebstählen rechnen, erklärte die Behörde. Die veröffentlichten Daten könnten genutzt werden, um täuschend echte E-Mails zu verfassen oder persönliche Informationen für betrügerische Zwecke zu missbrauchen.

Besondere Sorge bereitet den Sicherheitsexperten der Blick auf die anstehenden Landtagswahlen. Es sei nicht auszuschließen, dass die erbeuteten Daten genutzt würden, um Falschinformationen zu streuen und die öffentliche Meinung zu beeinflussen, hieß es aus dem BSI. Die Behörde rief die betroffenen Bürgerinnen und Bürger zur Wachsamkeit auf und empfahl, verdächtige Nachrichten kritisch zu prüfen und keine Zugangsdaten preiszugeben.

Der Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz hatte bereits vor Wochen für Aufsehen gesorgt. Die Angreifer verschafften sich Zugang zu internen Systemen der Senatsverwaltung und erbeuteten dabei umfangreiche Daten. Anschließend forderten sie ein Lösegeld und drohten damit, die Daten zu veröffentlichen. Der Senat lehnte die Zahlung jedoch ab und verwies auf die Linie, nicht auf Erpressung einzugehen.

Die nun im Darknet veröffentlichten Daten umfassen nach Angaben der Sicherheitsbehörden möglicherweise auch personenbezogene Informationen von Bürgern, die mit der Verwaltung in Kontakt standen. Die genaue Zusammensetzung des Datenpakets wird derzeit von den Behörden ausgewertet. Betroffene können sich über die Informationsseiten des Landes Berlin über weitere Schritte informieren.

Der Vorfall zeigt erneut die Verwundbarkeit öffentlicher Einrichtungen gegenüber Cyberangriffen. Das BSI betonte, dass die Bedrohungslage im Bereich der Cyberkriminalität insgesamt hoch sei und Behörden sowie Unternehmen ihre Sicherheitsmaßnahmen kontinuierlich überprüfen müssten. Die Berliner Verwaltung arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck daran, die Sicherheitslücken zu schließen und die betroffenen Systeme zu härten.

Die Gruppe Rhysida gilt als eine der aktiveren Hackergruppen im deutschsprachigen Raum. Sie ist bekannt für sogenannte Ransomware-Angriffe, bei denen Daten verschlüsselt und anschließend Lösegeld erpresst wird. Im aktuellen Fall haben die Angreifer offenbar keine Verschlüsselung eingesetzt, sondern sich auf den Diebstahl und die Veröffentlichung der Daten konzentriert.

Niklas Gerhardt

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Politischer Korrespondent

Niklas Gerhardt berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.