Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Es ist bereits der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren – nach 2020, 2022 und 2024. Der Geschäftsbetrieb in den verbliebenen 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, wie das Unternehmen mitteilte. Der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen, hieß es in einer Mitteilung.

Die rund 12.000 Beschäftigten wurden am Freitagvormittag über den Schritt informiert. Ob und welche Standorte schließen müssen, ist offen. Auch ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Insolvenzgeld erhalten, ist unklar. Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung für Galeria nach der bislang letzten Insolvenz bislang nicht aufgehoben. Im Juni hatte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit erklärt: «Befindet sich ein Unternehmen weiterhin in der Planüberwachung, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann.» Die Zahlungsunfähigkeit des ursprünglichen Insolvenzfalles dürfe nicht mehr fortbestehen. Bei jeder Prüfung müsse jedoch die konkrete Situation individuell betrachtet werden.

Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Frank Kebekus wurde vorläufig als Insolvenzverwalter benannt. Das geht aus einer internen Mitteilung hervor, die die Geschäftsführer von Galeria an die Belegschaft verschickten. Darin schrieben sie: «Wir sind überzeugt, dass Galeria eine erfolgreiche Zukunft haben wird.» Oberste Priorität sei es, die Gehaltszahlungen für die nächsten Monate zu sichern. Kebekus ist bei Galeria kein Unbekannter: Er begleitete als Sachwalter bereits die Insolvenzverfahren 2020 und 2022.

Der Gesamtbetriebsrat wollte sich zunächst nicht äußern. «Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zuallererst unsere Belegschaft im Blick haben», hieß es auf Anfrage. In einem Flugblatt an die Beschäftigten forderte das Gremium vom Management Aufklärung über die Lage. «Der Gesamtbetriebsrat sowie der Wirtschaftsausschuss werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für den Fortbestand der Galeria, also für den Erhalt unserer Arbeitsplätze kämpfen», hieß es weiter. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beklagte eine völlige Ungewissheit für die Beschäftigten. Schnelle Aufklärung sei nötig, wie es für die 12.000 Beschäftigten weitergehe, forderte die Verdi-Bundesfachbereichsleiterin Handel, Silke Zimmer.

Infolge der zurückliegenden Insolvenzverfahren wurden bereits zahlreiche Filialen geschlossen. Die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um der Warenhauskette den Weg aus der Krise zu ermöglichen. Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Antrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa. Im Zuge der Insolvenz mussten damals neun der 92 Warenhäuser schließen. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen. Galeria verlegte seinen Sitz von Essen nach Düsseldorf.

Knapp zwei Jahre später geriet die Kette erneut in die Negativschlagzeilen. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben. Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Das Geld dient unter anderem dazu, einen laufenden Kredit abzulösen und offene Mietzahlungen zu begleichen. Die Kreditlinie stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Sie ist durch die Ware von Galeria abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet, hieß es. Alle Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften.

Handelsexperten halten trotz großer Skepsis einen Fortbestand der Warenhauskette unter bestimmten Bedingungen noch für möglich. «40 bis 50 Standorte sind unter dem richtigen Eigentümer und mit einer klar differenzierten Positionierung fortführungsfähig – aber nicht als Vollsortimenter wie bisher», sagte der Handelsexperte Johannes Berentzen. «Lokal verankerte Konzepte mit Erlebnischarakter, ergänzenden Drittpartnern und Aufenthaltsqualität haben eine Zukunft.» Finde sich aber kein strategischer Investor, der «wirklich» transformieren wolle, «reden wir über eine geordnete Abwicklung».

Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI sind die Erlöse des Unternehmens in den vergangenen Jahren, auch infolge der Schließungen, deutlich gesunken. 2019 erzielte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre später setzte Galeria mit weniger als der Hälfte der Standorte entsprechend weniger um. Die genauen Zahlen für das laufende Geschäftsjahr liegen noch nicht vor.

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Theresa Jungmann

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Reporterin

Theresa Jungmann berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.