Das Deutschlandticket wird zum 1. Januar 2027 erneut teurer. Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien und der Deutschen Umwelthilfe soll der Preis von aktuell 63 Euro auf etwa 66,40 Euro bis 66,80 Euro pro Monat steigen. Grundlage dafür ist eine neue Preisformel, die im März 2026 auf der Verkehrsministerkonferenz vorgestellt wurde und den Anstieg erstmals systematisch berechnet.

Die neue Formel besteht aus zwei zentralen Komponenten: dem Kostenindex und dem Wertfaktor. Der Kostenindex setzt sich aus drei Punkten zusammen, die unterschiedlich stark gewichtet werden. Den größten Anteil haben die Personalkosten mit 55 Prozent, aufgeteilt in 16 Prozent für Regionalzüge, 27 Prozent für Busse und zwölf Prozent für Straßenbahnen. Hinzu kommen 20 Prozent für Energiekosten, die sich wiederum in 12,8 Prozent für Diesel und 7,2 Prozent für Strom aufteilen, sowie 25 Prozent für sonstige Kosten. Der Wertfaktor berücksichtigt das Verhältnis der staatlichen Finanzierung zu den Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Konkret werden die Kompensationszahlungen von Bund und Ländern in Höhe von insgesamt drei Milliarden Euro durch den Umsatz aller verkauften Tickets geteilt. Die Formel für 2027 lautet: Preis 2027 = Preis 2026 × (1 + Kostenindex × Wertfaktor). Mit den Zahlen der Deutschen Umwelthilfe – einem Kostenindex von vier Prozent und einem Wertfaktor von 1,35 – ergibt sich ein Preis von gerundet 66,40 Euro. Der WDR nennt aufgrund steigender Dieselpreise sogar 66,80 Euro. Es handelt sich bislang um Prognosen; der tatsächliche Preis kann abweichen.

Als Hauptgrund für die erneute Erhöhung gilt die Entwicklung des Dieselpreises. Ende 2025 waren laut Bundesverkehrsministerium nur 63 Prozent des Bundesschienennetzes elektrifiziert. Viele Züge fahren daher noch mit fossilen Brennstoffen, überwiegend Diesel. Auch die Busse der lokalen Verkehrsverbände werden größtenteils mit Diesel betrieben. Zuletzt stieg der Dieselpreisindex um knapp zehn Prozent, der Strompreisindex nur um fünf Prozent. Hinzu kommen gestiegene Personalkosten sowie die Deckelung des Bundes- und Länderzuschusses auf jeweils 1,5 Milliarden Euro.

Eine automatische jährliche Erhöhung ist damit jedoch nicht verbunden. Der Beschluss sieht vor, dass der Preis bei einem positiven Preisindex angehoben wird. Bei einem negativen Preisindex bleibt der Ticketpreis unverändert; die Ersparnis wird gespeichert und mit künftigen Erhöhungen verrechnet. Dadurch sollen Preissprünge in der Zukunft gedämpft werden. Ein sogenannter Dämpfungsfaktor soll ab 2028 zum Einsatz kommen.

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert das Vorgehen scharf. Geschäftsführer Jürgen Resch warnte vor einer gefährlichen Abwärtsspirale: «Steigende Preise, weniger Abos, sinkende Einnahmen und damit noch mehr Druck für die nächste Preiserhöhung.» Er fordert ein bundesweit gültiges 29-Euro-Ticket für zwölf Monate sowie anschließend einen stabilen Preis von 49 Euro. Der Fahrgastverband Pro Bahn in Nordrhein-Westfalen hätte sich von Beginn an höhere Preise gewünscht, um den Abstand zu günstigeren Ticket-Abos der regionalen Verkehrsverbünde zu vergrößern. Die großen Preissprünge werden dort als Risiko gesehen, da der Nahverkehr weiter kaputtgespart werden könnte.

Für die mehr als 14 Millionen Nutzerinnen und Nutzer bleibt abzuwarten, wie stark die Abozahlen auf die angekündigte Erhöhung reagieren. Trotz der Preisanstiege der vergangenen Jahre brachen die Abos bislang nicht dramatisch ein. Das Deutschlandticket war im Mai 2023 für 49 Euro eingeführt worden. Knapp drei Jahre später kostet es 63 Euro – ein Anstieg von fast 30 Prozent.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.