Künstliche Intelligenz aus China spielt in deutschen Unternehmen bislang so gut wie keine Rolle. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom, über die die „Zeit“ berichtet. Demnach greifen Firmen hierzulande immer häufiger auf Angebote aus den USA zurück, während chinesische KI-Modelle kaum zum Einsatz kommen. Das führende europäische Modell nutzt den Angaben zufolge derzeit niemand. Experten sehen daraus Folgen für die digitale Souveränität Europas.

Die Umfrage zeigt ein klares Bild: Bei der Einführung von KI-Systemen in deutschen Unternehmen dominieren amerikanische Anbieter wie OpenAI mit ChatGPT, Microsoft mit Copilot oder Google mit Gemini. Diese Dienste haben sich in vielen Betrieben als Standardlösungen etabliert. Chinesische Anbieter, die auf dem Weltmarkt zunehmend an Bedeutung gewinnen, schaffen es dagegen kaum in die deutschen Firmen. Als Gründe gelten unter anderem Datenschutzbedenken, politische Vorbehalte und fehlende Integration in bestehende Softwarelandschaften.

Besonders bemerkenswert ist die Lage bei europäischen KI-Modellen. Obwohl in der EU und auch in Deutschland eigene Sprachmodelle entwickelt wurden, findet sich keines davon in der Liste der in Unternehmen genutzten Systeme wieder. Das führende europäische Modell kommt laut der Bitkom-Erhebung in keinem der befragten Unternehmen zum Einsatz. Damit bleibt der europäische Markt bei einem der zentralen Zukunftsthemen weitgehend außen vor.

Für die digitale Souveränität Deutschlands und Europas ist diese Entwicklung aus Sicht von Fachleuten problematisch. Wer bei der künstlichen Intelligenz vollständig auf Anbieter aus den USA angewiesen sei, mache sich in einem strategisch wichtigen Bereich abhängig, heißt es. Ähnlich gelagert ist die Debatte über chinesische Technologien, die in anderen Teilen der Welt verstärkt zum Einsatz kommen. In Deutschland jedoch scheinen sowohl die wirtschaftlichen als auch die politischen Hürden für einen Wechsel zu nicht-amerikanischen Anbietern bislang hoch zu sein.

Die Bitkom-Umfrage reiht sich ein in eine breitere Diskussion über die Wettbewerbsfähigkeit Europas im Bereich der künstlichen Intelligenz. Während die USA und zunehmend auch China milliardenschwere Investitionen in die Entwicklung eigener Modelle stecken, fällt Europa bei der kommerziellen Nutzung und der Entwicklung eigener Systeme weiter zurück. Für deutsche Unternehmen bedeutet das konkret: Sie setzen bei der Digitalisierung ihrer Prozesse fast ausschließlich auf Technologie aus dem Ausland.

Der Digitalverband Bitkom vertritt nach eigenen Angaben mehr als 2.000 Unternehmen der Digitalwirtschaft. Die Umfrage zur Nutzung von KI-Modellen ist Teil einer größeren Erhebung zum Einsatz künstlicher Intelligenz in der deutschen Wirtschaft. Detaillierte Angaben zu den befragten Unternehmen, zur Methodik oder zum genauen Erhebungszeitraum wurden in dem Bericht nicht genannt.

Sebastian Mertens

Autor

Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.