US-Präsident Donald Trump hat sich für eine Wiedervereinigung von Irland und Nordirland ausgesprochen. Nach einem Treffen mit dem irischen Regierungschef Micheál Martin in Dublin sagte Trump, er würde eine solche Entwicklung «sehr gerne» sehen. «Ich habe Freunde auf beiden Seiten, es sind großartige Menschen. Es sind Iren, wie könnte das etwas Schlechtes sein», sagte Trump. Die Äußerung sorgte in Irland und Großbritannien für große Aufregung.
Trump bezeichnete eine Wiedervereinigung als «großen Erfolg», auf den alle stolz sein könnten. «So wie ich das sehe, wird es ohnehin irgendwann passieren. Dann kann es genauso gut jetzt passieren», sagte der US-Präsident. An Martin gewandt fügte er hinzu, dieser sei «genau der richtige» Mann dafür. Allerdings räumte Trump ein, dass auch das Vereinigte Königreich noch etwas dazu zu sagen habe. «Aber ich denke, es wäre eine großartige Sache», sagte er. Nur wenig später wiederholte Trump seine Einschätzung während einer Ansprache in der Botschafterresidenz und sagte, eine Wiedervereinigung wäre eine «ziemlich coole Sache». Zugleich scherzte er, auf diese Frage gebe es keine gute Antwort. Bei der Presse sei jede Frage darauf ausgelegt, ihn zu erwischen. «Ich habe, glaube ich, eine nette Antwort gegeben. Morgen werden wir darüber lesen», sagte Trump.
Die Grenze auf der irischen Insel wurde 1921 mit dem Inkrafttreten des «Government of Ireland Act» gezogen. Anders als Irland, das sich zur unabhängigen Republik abspaltete, blieb Nordirland Teil des Vereinigten Königreichs. Die Frage, ob die Provinz dazugehören oder sich mit Irland wiedervereinigen sollte, führte zu einem jahrzehntelangen, blutigen Bürgerkrieg. Der Konflikt endete erst 1998 mit dem Karfreitagsabkommen, die Gesellschaft ist derweil noch immer gespalten.
Unter dem Abkommen kann ein Referendum zu einer Wiedervereinigung abgehalten werden, wenn die britische Regierung feststellt, dass voraussichtlich eine Mehrheit der Nordiren einen solchen Anschluss befürwortet. In diesem Fall müssten auch die Menschen in der Republik Irland zustimmen. In einer Umfrage der Universität Liverpool vom Mai 2026 befürworteten jedoch nur 35 Prozent der Nordiren eine Wiedervereinigung.
Die britische Regierung nahm Trumps Äußerungen zur Kenntnis und verwies laut der Nachrichtenagentur PA auf die jüngsten Aussagen von Premierminister Andy Burnham, laut derer ein Referendum über die Grenze erst dann in Betracht gezogen würde, wenn es «einen klaren Konsens im Land» gebe. Gavin Robinson, Chef der pro-britischen Democratic Unionist Party (DUP), sagte, über die Zukunft Nordirlands werde dessen Bevölkerung entscheiden und nicht «durch Kommentare in London, Dublin oder Washington».

