US-Präsident Donald Trump hat den chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Donnerstag zu einem Staatsbesuch im Weißen Haus empfangen. Das Treffen der beiden Staatschefs war von gegenseitigem Lob und demonstrativer Freundlichkeit geprägt, konkrete Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt. Trump sprach von einer «wirklich großartigen Freundschaft» mit Xi und erklärte, seit seiner China-Reise im Mai seien Fortschritte beim Handel erzielt worden.

Xi betonte, der Wettbewerb zwischen den USA und China solle «gesund» sein. Er hoffe, dass chinesische Unternehmen in den USA fair behandelt würden. Mit Blick auf die Theorie der Thukydides-Falle, wonach die Rivalität zwischen einer aufstrebenden und einer etablierten Macht in einen offenen Konflikt münden kann, sagte Xi: «Die Thukydides-Falle kann überwunden werden.» Zudem forderte er einen regelmäßigen Dialog der Streitkräfte zur Krisenprävention.

Als Zeichen des guten Willens kündigte Xi an, dass in wenigen Tagen zwei Pandas in den Zoo von Atlanta einziehen würden. Außerdem wolle China in den kommenden fünf Jahren 100.000 junge US-Bürger zu Austausch- und Studienbesuchen einladen. Beide Länder müssten friedlich koexistieren, und der Wettbewerb solle positiv und mit Grenzen geführt werden.

Das schwierigste Thema, Taiwan, kam bei dem bilateralen Treffen kurz zur Sprache. Xi habe die USA gedrängt, sich einer «Unabhängigkeit Taiwans» zu widersetzen, meldete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua kurz nach Abschluss der Gespräche. Das Weiße Haus veröffentlichte zunächst keine eigene Erklärung zu der Unterredung. Es war erwartet worden, dass Xi Trump drängen würde, Waffenverkäufe an Taiwan zu stoppen. Nach seinem Besuch in China im Mai hatte Trump erklärt, er halte ein Waffenpaket für Taiwan im Wert von rund 14 Milliarden Dollar zurück und bezeichnete dies als «sehr guten Verhandlungs-Chip». China beansprucht die demokratisch regierte Insel, die auf die militärische Stärke der USA angewiesen ist, als eigenes Territorium. Die USA haben es traditionell vermieden, offiziell Stellung zur Unabhängigkeit der Insel zu beziehen.

Trotz des großen Aufhebens halten Analysten große Durchbrüche während des Staatsbesuchs für unwahrscheinlich. Konkrete Ergebnisse dürften sich auf eine Verlängerung des im November auslaufenden Burgfriedens im Handelsstreit sowie auf eine Vereinbarung zur Untersuchung der von KI ausgehenden Bedrohungen beschränken. US-Finanzminister Scott Bessent hatte dem Sender Fox News am Mittwoch nach Gesprächen mit dem chinesischen Vizeregierungschef He Lifeng gesagt, man habe sich darauf geeinigt, ein Abkommen bis zum 10. Januar zu verlängern. Dieses hatte einen Handelskrieg auf Eis gelegt, bei dem die gegenseitigen Zölle auf über 100 Prozent gestiegen waren.

Trump kündigte auf seiner Plattform Truth Social an, «Superintelligenz» – sein Begriff für KI – werde ein großes Thema sein. Er wolle den Bereich unreguliert lassen, was auch Chinas Position sei. Xi erklärte indes, beide Länder hätten die Verantwortung, KI zum Guten zu entwickeln und sicherzustellen, dass sie stets unter menschlicher Kontrolle bleibe.

Für Trump ist der Besuch auch eine Frage des nationalen Prestiges. Er revanchierte sich für den großen Empfang, der ihm im Mai in China bereitet worden war. Trump begrüßte Xi bereits am Mittwochabend auf dem Militärflugplatz Joint Base Andrews mit einem roten Teppich. Nur selten empfangen US-Präsidenten einen Gast bei der Ankunft.

Die Äußerungen der beiden Staatschefs am Donnerstag wurden jedoch von keinem US-Fernsehsender live übertragen. Die Sender weigerten sich aus Protest gegen den Ausschluss von CNN, MS Now und Politico durch das Weiße Haus, Bilder zu liefern. Trumps Umarmung von Xi könnte zudem seine Wahlkampfbotschaft vor den Zwischenwahlen im November verkomplizieren. Der Präsident hatte die Demokraten monatelang als «Kommunisten» bezeichnet, um sie als extrem darzustellen, empfing nun jedoch den Chef der Kommunistischen Partei Chinas als «lieben, persönlichen Freund».

Beim Staatsbankett am Donnerstagabend standen auch die Chefs von Technologiekonzernen wie Apple, Amazon, Alphabet, OpenAI, Tesla und Nvidia auf der Gästeliste. Trotz dieses Aufgebots dürfte Trump Insidern zufolge an strengen Exportkontrollen für US-Technologie festhalten, deren Lockerung Xi anstrebt.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.