Nach dem Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta hat die Regierung in Madrid Militär zur Unterstützung der örtlichen Polizei in das nordafrikanische Gebiet entsandt. Binnen 24 Stunden seien rund 49.000 Migranten von Marokko aus auf dem See- und Landweg nach Ceuta gelangt, teilte das Innenministerium mit. Bei dem Ansturm kamen nach bisherigen Angaben mindestens 34 Menschen ums Leben. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach von einer «Attacke auf Spanien».

Ceuta gehört zusammen mit der Nachbarexklave Melilla zu den Außengrenzen der Europäischen Union in Nordafrika. Immer wieder versuchen Migranten, von Marokko aus spanisches Territorium zu erreichen. Das Ausmaß des jüngsten Andrangs hat nun auch europäische Debatten über den Schutz der Außengrenzen ausgelöst. Mehrere europäische Staaten fordern, Spanien aus dem Schengen-Raum auszuschließen. Unterstützung für einen entsprechenenden Vorstoß Italiens kommt auch aus Finnland. «Wer die EU-Außengrenzen nicht schützen kann, kann kein Schengen-Mitglied sein», sagte Innenministerin Mari Rantanen. Viel mehr als Symbolpolitik dürfte der Vorstoß allerdings nicht sein, denn ein Ausschluss ist nicht ohne Weiteres möglich.

In Ceuta selbst verschärft sich die Lage. Tausende Migranten, die am Donnerstag die Grenze überquert hatten, kehren inzwischen nach Marokko zurück. Nach einem Bericht der Zeitung «El País» steigt die Zahl der Rückkehrer stündlich. Viele berichten, die Exklave sei hoffnungslos überfüllt; es gebe keine Unterkünfte, und Geschäfte würden nur Einheimische bedienen. Einige Migranten seien von Bewohnern mit Steinen beworfen oder mit Waffen bedroht worden.

Angesichts des Andrangs verstärkt auch Frankreich die Kontrollen an der Grenze zu Spanien. Innenminister Laurent Nuñez erklärte auf der Plattform X, er habe Anweisungen erteilt, die Kontrollen unverzüglich zu verstärken. Gegenüber dem Sender RTL verwies er auf eine permanente mobile Einheit und kündigte weitere Maßnahmen an, falls sich Bewegungen in Richtung französisches Territorium abzeichnen sollten. Er wolle am Freitag erneut mit seinem spanischen Kollegen sprechen, sagte Nuñez.

Unter den Migranten in Ceuta sind zahlreiche Minderjährige, von denen viele ohne ihre Eltern gekommen sein sollen. Der Zeitung «El Mundo» zufolge gelangten Jugendliche mit Bussen und Sammeltaxis in die Exklave. Der 13-jährige Mohamed aus Tétouan sagte demnach: «Meine Eltern wissen nicht, dass ich hier bin. Ich bin mit vielen Freunden gekommen.» Auf die Frage, ob er nach Marokko zurückkehren wolle, antwortete er: «Es lebe Ceuta, mein Freund! Ich möchte Spanier sein wie du. In meinem Land gibt es nur Hunger.»

Auch in der zweiten spanischen Exklave Melilla kam es zu Grenzübertritten. Nach Angaben des Präsidenten der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, gelangten rund 400 Menschen über zwei Grenzübergänge und einen Damm im Süden der Stadt auf spanisches Gebiet. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten, sagte Imbroda dem Radiosender Cope.

Die Europäische Union hat Spanien Hilfe angeboten. Migrationskommissar Magnus Brunner erklärte, die EU sei bereit, Spanien unter anderem über die Grenzschutzagentur Frontex verstärkt zu unterstützen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Man stehe zudem in Kontakt mit den marokkanischen Behörden, um sicherzustellen, dass alle notwendigen Anstrengungen unternommen werden, damit Migranten nicht weiterhin solche gefährlichen Reisen unternehmen.