Ein neues Video soll zeigen, wie eine Drohne in der südukrainischen Stadt Cherson unmittelbar neben einem Gemüsehändler explodiert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Vorfall scharf verurteilt und von einer Drohnen-«Safari» auf Zivilisten gesprochen. Seit längerem gibt es in der Stadt Vorwürfe, dass russische Kräfte mit Drohnen gezielt Jagd auf Menschen machen, die nicht an Kampfhandlungen beteiligt sind.

Auf den kursierenden Aufnahmen ist offenbar ein Mann an einem Gemüsestand zu sehen. In seiner Nähe kommt es zu einer Detonation, die nach den bisherigen Informationen von einer Drohne ausgelöst worden sein soll. Wie groß der Abstand zwischen dem Händler und der Explosionsstelle war, lässt sich aus dem veröffentlichten Material nicht abschließend erkennen. Ob bei dem Angriff Menschen verletzt wurden, geht daraus ebenfalls nicht eindeutig hervor.

Das Video ist damit ein weiteres Beispiel für eine Entwicklung, die in Cherson seit Monaten beobachtet wird. Immer wieder berichten Behörden und Medien von Angriffen, bei denen offenbar gezielt einzelne Zivilisten ins Visier genommen werden. Der Begriff «Safari», den Selenskyj in seiner Reaktion verwendete, zielt auf genau diesen Eindruck ab: Jagd auf Menschen im öffentlichen Raum statt auf militärische Ziele. Die neuen Aufnahmen fügen den seit langem erhobenen Vorwürfen ein besonders anschauliches Beispiel hinzu.

Selenskyj machte deutlich, dass er die Attacke nicht als Einzelfall betrachtet. Er verwies auf das Muster derartiger Vorfälle und nannte sie einen weiteren Beleg dafür, dass die russischen Streitkräfte das Leben der Bevölkerung in den Frontgebieten systematisch bedrohten. Die Drohnenangriffe träfen Menschen bei alltäglichen Verrichtungen, in diesem Fall offenbar bei der Arbeit an einem Gemüsestand. Damit stehe nicht nur die militärische Auseinandersetzung im Mittelpunkt, sondern auch der gezielte Angriff auf die Zivilbevölkerung, hob er hervor.

Die Authentizität der Aufnahmen lässt sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. In dem seit Jahren andauernden Krieg werden regelmäßig Videos veröffentlicht, deren Herkunft, Aufnahmezeitpunkt und Einordnung unklar sind. Auch in diesem Fall ist unbekannt, wann genau die Aufnahme entstand und wer sie zuerst verbreitet hat. Sicherheit lässt sich daher vor allem über den Inhalt selbst gewinnen: zu sehen ist offenbar eine Explosion in unmittelbarer Nähe eines zivilen Verkaufsstandes.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Cherson ist die ständige Gefahr aus der Luft inzwischen Teil des Alltags. Wer seiner Arbeit nachgeht, muss offenbar damit rechnen, jederzeit angegriffen zu werden. Gerade der Fall des Gemüsehändlers macht diese Bedrohung sichtbar: Der Mann befand sich nicht an einem militärischen Objekt, sondern an seinem Arbeitsplatz. Ein Ort, der in Friedenszeiten völlig unauffällig wäre, wurde zur Zielscheibe einer Drohne.

Der Vorfall macht das Muster der Drohnenangriffe auf die Zivilbevölkerung sichtbar. Die seit Monaten kursierenden Berichte in der Stadt beziehen sich nicht nur auf militärische Ziele, sondern immer wieder auch auf einzelne Menschen. Eine genaue Bilanz der Angriffe gibt es nicht.

Welche Konsequenzen der Vorfall haben wird, war zunächst offen. Bislang liegen keine gesicherten Angaben zu möglichen Verletzten, zum Material der Drohne oder zum genauen Ablauf vor. Die ukrainische Führung hat die Angriffe auf Zivilisten wiederholt als völkerrechtswidrig eingestuft. Das jetzt kursierende Video richtet die Aufmerksamkeit erneut auf die Lage der Zivilbevölkerung in den Frontgebieten.