Polens Ministerpräsident Donald Tusk rechnet damit, dass russische Angriffe künftig auch polnische Grenzübergänge zur Ukraine ins Visier nehmen könnten. Russland nehme zunehmend Handelsrouten in die Ukraine ins Visier, um Kiew wirtschaftlich zu schwächen, sagte Tusk am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. «Wir rechnen mit ähnlichen Aktionen, die auf Grenzübergänge zur Ukraine in anderen Ländern, darunter auch Polen, abzielen», so der polnische Regierungschef.

Zuvor hatten Drohnen am Mittwoch einen Grenzübergang zwischen der Ukraine und Moldau in der südlichen Region Odessa getroffen und zwei Menschen getötet. Tusk erklärte, dank der Zusammenarbeit der polnischen Dienste mit ihren ukrainischen Kollegen habe in der vergangenen Nacht eine direkte Bedrohung für einen der Grenzübergänge abgewendet werden können. Russland habe bereits provokative Angriffe auf Grenzübergänge verübt, beispielsweise in Moldawien.

Unterdessen setzt Russland seine Luftangriffe auf die Ukraine fort. In der Hauptstadt Kiew lösten russische Luftangriffe einen Brand in einem neunstöckigen Wohnhaus aus, wie die städtischen Behörden mitteilten. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war zunächst nicht möglich. Russland bestreitet, gezielt Zivilisten anzugreifen.

Bei einem russischen Drohnenangriff auf die südostukrainische Stadt Pawlohrad wurden nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mindestens sieben Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt. Die Opfer hätten sich in der Nähe von Einkaufszentren aufgehalten. Laut der Staatsanwaltschaft der Region Dnipropetrowsk wurden zudem mehrere Geschäfte und Autos beschädigt. Die Behörde ermittelt wegen eines möglichen Kriegsverbrechens. Pawlohrad liegt rund 80 Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Durch russische Angriffe auf Wohngebäude wurden in Kramatorsk Dutzende weitere Menschen verletzt, wie Selenskyj weiter mitteilte. Auch andere Städte wie Kiew und Dnipro sowie Gemeinden in den Regionen Dnipro, Donezk, Sumy, Tschernihiw und Charkiw seien attackiert worden. «Wir arbeiten mit höchster Intensität mit unseren Partnern zusammen, um die Ukrainer vor diesem russischen Terror schützen zu können», erklärte Selenskyj. Es würden Entscheidungen über weitere Unterstützungspakete für die Ukraine getroffen, darunter Rüstungshilfe und Unterstützung speziell zum Schutz des ukrainischen Luftraums.

Ein ukrainischer Drohnenangriff traf nach Angaben des russischen Online-Händlers Ozon ein Logistikzentrum in der Stadt Saratow. Das Unternehmen teilte auf Telegram mit, es gebe keine Verletzten. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war zunächst nicht möglich.

Diplomatisch bemüht sich die Ukraine weiter um Unterstützung. Präsident Selenskyj will sich Ende September in New York mit US-Präsident Donald Trump treffen. «Ende September werden wir, denke ich, die Gelegenheit haben, das amerikanische Team in New York zu treffen», sagte Selenskyj am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney in Calgary. Ende September findet in New York die Generaldebatte der UN-Vollversammlung statt. Selenskyj hatte bereits am Dienstag gesagt, er hoffe auf ein Treffen mit Trump noch in diesem Monat. Er wolle mit dem US-Präsidenten über ein Paket zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr sprechen.

Die Ukraine ist auf Patriotraketen aus US-Produktion angewiesen, um sich gegen die massiven russischen Luftangriffe zu schützen. Kiew klagt über einen zunehmenden Mangel an Abfangraketen, seitdem die USA im Februar den Iran-Krieg begonnen und Raketenlieferungen in die Golfregion umgeleitet hatten. Russland hatte seine Drohnen- und Raketenangriffe auf die Ukraine in den vergangenen Tagen wieder verstärkt. Wegen eines Besuchs der US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff hatte Russland die Angriffe zuvor für drei Tage eingestellt. Die beiden Sondergesandten von US-Präsident Trump waren am Wochenende nach Russland und erstmals auch in die Ukraine gereist, um beiden Seiten neue Vorschläge für eine Beendigung des Konflikts vorzulegen.

Vor den russischen Parlamentswahlen am 20. September wird es nach Angaben Selenskyjs kein trilaterales Treffen zur Beendigung des Krieges geben. Ukrainische und US-Unterhändler stünden in ständigem Kontakt, sagte der Staatschef am Abend. Er hoffe auf Fortschritte bei den Gesprächen über Energie- und Getreidefragen Ende September nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump.

Kanada sicherte der Ukraine unterdessen ein Hilfspaket im Umfang von 350 Millionen kanadischen Dollar (etwa 218 Millionen Euro) für Abfangraketen zu. Nach einem Treffen mit Selenskyj erklärte Premierminister Mark Carney, die Ausrüstung solle helfen, die Bevölkerung und die Infrastruktur vor russischen Angriffen zu schützen. Die Waffen werden über ein US-Programm bereitgestellt, das es Drittstaaten ermöglicht, Rüstungsgüter wie Patriot-Raketen schnell für die Ukraine zu beschaffen. Zudem plant Kanada laut Carney weitere Unterstützung.

Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.