Der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro hat sich nach seiner heimlichen Ausreise nach Miami zum wahren gewählten Staatschef Brasiliens erklärt. In einem offenen Brief an die Brasilianer, veröffentlicht auf der Plattform X, schrieb er: «Ich bin der gewählte Präsident». In Brasilien habe ein «abscheulicher Wahlbetrug» stattgefunden.
Bolsonaro bezeichnete den Sieg von Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva bei der Stichwahl am Sonntag als unrechtmäßig. Er sei nur mithilfe eines korrupten Justizsystems zustande gekommen. Vom Ausland aus wolle er nun den Kampf für die Demokratie in dem südamerikanischen Land anführen und verhindern, dass Lula ein «diktatorisches Regime» in Brasilien festigt. In einer weiteren Stellungnahme erklärte er, die Personen, die die Wahl gestohlen hätten, seien Teil einer kriminellen Organisation, die eine Tyrannei errichtet habe.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP landete Bolsonaro am Mittwoch gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern auf dem Privatflughafen Opa-Locka nördlich von Miami im US-Bundesstaat Florida. Argentinischen Behörden zufolge reiste er trotz eines Ausreiseverbots auf dem Landweg nach Argentinien, flog von dort nach Ecuador und setzte anschließend seine Reise in die USA fort. Dem Politiker dankte er ausdrücklich für ihre Unterstützung ddem argentinischen Präsidenten Javier Milei, der seine Ausreise über Argentinien ermöglicht haben soll, und dem US-Präsidenten Donald Trump.
Hintergrund der Flucht ist eine Anordnung des Obersten Gerichts in Brasilien. Nach der Wahl war Bolsonaro dieser nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Richter Alexandre de Moraes hatte die Pässe ungültig machen lassen und Bolsonaro untersagt, das Land zu verlassen. Laut Medienberichten besitzt Bolsonaro zudem die italienische Staatsangehörigkeit, und das US-Außenministerium hatte der Familie Visa zugesagt. Berichten zufolge wollte er in den USA Asyl beantragen.
Bei der Stichwahl hatte Lula nach den vorliegenden Angaben 51,8 Prozent der Stimmen erhalten, Bolsonaro 48,2 Prozent. Die Liberale Partei, der Bolsonaro angehört, räumte die Niederlage ein; er selbst erkannte sie nicht an und kündigte bereits am Wahlabend rechtliche Schritte an. US-Präsident Trump, der der Familie Bolsonaro politisch nahesteht, hatte zuvor Zweifel an Lulas Wahlsieg geäußert und von einer «manipulierten Wahl» gesprochen.
Die brasilianische Polizei ermittelt zudem gegen Flávio Bolsonaro wegen des Verdachts auf Korruption und Geldwäsche im Zusammenhang mit einem Film über seinen inhaftierten Vater Jair Bolsonaro. Dieser war nach einem Umsturzversuch nach seiner Wahlniederlage 2022 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Flávio Bolsonaro ist damit der Sohn des früheren Präsidenten, dessen Verurteilung den politischen Konflikt im Land zusätzlich prägt.
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