Papst Leo XIV. hat am Samstag in Paris eine Freiluftmesse gefeiert, zu der nach Schätzungen des Vatikans rund 800.000 Menschen auf die Place de la Concorde gekommen sind. Die Messe im Herzen der französischen Hauptstadt war der Höhepunkt seines Besuchs in Frankreich. Vor dem Gottesdienst war der Papst im Papamobil über die Champs-Élysées gefahren und von zahlreichen Gläubigen bejubelt worden. Die Strecke zwischen dem Triumphbogen und der Place de la Concorde erstreckt sich über mehr als zwei Kilometer.
In seiner Predigt rief das Oberhaupt der katholischen Kirche die Gläubigen dazu auf, über den Sinn des Lebens nachzudenken. «Was suchen wir wirklich im Leben?», fragte er. Dabei wandte er sich gegen die falsche Verheißung materieller Güter. Er ermutigte besonders Jugendliche und diejenigen, die sich auf die Taufe vorbereiten, «lebendige Zeugen einer Zivilisation der Liebe» zu werden. Die Messe endete mit dem traditionellen Marienlied «Salve Regina», das der Papst vor einer silbernen Marienstatue sang, die sonst in der Kathedrale Notre-Dame aufbewahrt wird.
Bereits am Vormittag hatte Leo XIV. bei einem Besuch einer Einrichtung für Migranten in Paris zu einem würdevollen Umgang mit Geflüchteten aufgerufen. Die Menschen sollten «jene sehen, die unsichtbar sind, und jene befreien, die durch die wirtschaftliche Lage in die Sklaverei gedrängt werden», sagte er. Damit setzte er ein deutliches Zeichen für soziale Gerechtigkeit und die Rechte von Migranten.
An der Messe auf der Place de la Concorde nahmen auch zahlreiche Politiker teil, unter anderem die rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen. Der Besuch des Papstes in Paris entwickelte sich zu einem Großereignis, das weit über kirchliche Kreise hinaus Beachtung fand. In Frankreich, das als eher kirchenkritisch gilt, ist in den vergangenen Jahren ein neues Interesse am Glauben zu beobachten. Die Zahl der Erwachsenentaufen ist kontinuierlich gestiegen. In diesem Jahr haben sich nach Angaben des Vatikans knapp 21.400 Jugendliche und überwiegend junge Erwachsene taufen lassen – ein Phänomen, das auch im Vatikan aufmerksam verfolgt wird.
Die 31 Jahre alte Angeline Mandoux, die sich auf die Taufe vorbereitet, sagte: «Ich dachte immer, die Messe ist für alte Menschen, aber in meiner Pfarrei ist das gar nicht so, da geht es sehr lebendig zu.» Ihre Aussage spiegelt den Wandel wider, den die katholische Kirche in Frankreich derzeit erlebt.
Am Samstagabend wollte der Papst in den südfranzösischen Pilgerort Lourdes weiterreisen. Dort ist am Sonntag ein Treffen mit sieben Menschen geplant, die in ihrer Kindheit Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche oder Angestellte an katholischen Schulen geworden sind. Am Montag will Leo XIV. zum Abschluss seines Frankreich-Besuchs im lothringischen Metz eine politische Rede zu den Wurzeln Europas halten. Zu dieser Rede hat Präsident Macron sämtliche europäischen Staats- und Regierungschefs eingeladen. Bislang ist nicht bekannt, wer von ihnen kommen will.
Der Papstbesuch in Paris steht damit ganz im Zeichen großer gesellschaftlicher und politischer Themen: Migration, Materialismuskritik und die Rolle Europas. Die enorme Resonanz auf die Messe zeigt, dass die katholische Kirche in Frankreich trotz aller Kritik weiterhin viele Menschen erreicht.
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