Die Linke hat die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus klar gewonnen und damit die bisherige schwarz-rote Regierung abgewählt. Nach dem vorläufigen Ergebnis kommt die Partei auf 25,7 Prozent und erzielt ihr bestes Resultat bei einer Abgeordnetenhauswahl. Die CDU unter Spitzenkandidat Stefan Evers stürzt auf 18,8 Prozent ab und verliert damit deutlich im Vergleich zur Wiederholungswahl 2023, als sie noch 28,2 Prozent erreichte.
Spitzenkandidatin Elif Eralp kündigte an, Regierende Bürgermeisterin werden zu wollen. «Ab heute verändern wir gemeinsam unser Berlin und machen daraus einen besseren Ort», sagte sie am Wahlabend. Sollte sie gewählt werden, wäre sie die erste Regierungschefin Berlins mit türkischen Wurzeln. Die Linke stellt künftig 47 Sitze im Abgeordnetenhaus, die CDU nur noch 34.
Rechnerisch möglich ist eine rot-grün-rote Koalition aus Linke, Grünen und SPD. Die Grünen senden positive Signale für ein solches Bündnis. Die Co-Landesvorsitzende Nina Stahr sagte, die aktuelle schwarz-rote Regierung sei abgewählt, und man wolle gemeinsam mit den anderen Parteien eine andere progressive Regierung auf den Weg bringen. Allerdings gibt es in der SPD skeptische Stimmen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Müller, der von 2016 bis 2021 selbst eine rot-rot-grüne Koalition anführte, warnte: «Ich hatte eine rot-rot-grüne Regierung, fünf Jahre, und ein Dreierbündnis ist schon strukturell schwer. Mit diesen Linken, sehr parteiunerfahren, parlamentsunerfahren, eher aus dem Aktivistenlager, ist es sicherlich nochmal schwieriger.»
Die SPD kam auf 12,1 Prozent und 22 Sitze, die Grünen auf 14,3 Prozent und 26 Sitze. Beide Parteien könnten zum Königsmacher werden. SPD-Spitzenkandidat Krach schloss Enteignungen großer Immobilienkonzerne aus: «Ich bin mir sehr sicher, dass es am Ende nicht klappen wird.» Seine Partei dürfe nach der klaren Niederlage keine Forderungen stellen. «Wir haben das schlechteste Ergebnis jemals. Damit hat man keinen Regierungsauftrag.» Krach verfehlte zudem das Direktmandat in Steglitz-Zehlendorf. Auch Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) verpasste ein Direktmandat in Neukölln und wird dem Abgeordnetenhaus nicht mehr angehören. Sie sieht dennoch die Linke am Zug: «So wie es aussieht, ist die Linke der klare Wahlsieger und das muss man erst mal tolerieren.»
Die AfD legt deutlich zu und kommt auf 16,3 Prozent (29 Sitze), nach 9,1 Prozent im Jahr 2023. Eine Zusammenarbeit mit der AfD hatten alle Parteien vor der Wahl ausgeschlossen. AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker kündigte an, die Linke in den kommenden Jahren wieder Stimmen verlieren zu lassen. Das BSW verpasste mit 4,7 Prozent knapp den Einzug ins Abgeordnetenhaus. Die FDP scheiterte erneut an der Fünfprozenthürde und erreichte 2,5 Prozent.
Der Linke-Fraktionsvorsitzende Tobias Schulze drängt auf schnelle Koalitionsverhandlungen. Eine neue Regierung solle bis Weihnachten stehen. «Das ist sehr anspruchsvoll, aber es ist nicht gut, wenn man in den letzten Zügen liegt und dann noch viele strittige Fragen sind und dann die Weihnachtspause einzuläuten.» Er wolle schnell sondieren und regte an, keinen überlangen Koalitionsvertrag zu schreiben: «Vielleicht muss man auch keine 500 Seiten Koalitionsvertrag machen, sondern die wichtigsten Punkte müssen drin sein für alle Parteien.»
Das wichtigste Thema im Wahlkampf war der Wohnungsmangel und überhöhte Mieten. Die Linke will große Wohnungsunternehmen enteignen und einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen einführen. Eralp bekräftigte: «Wenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet. Das habe ich so gesagt, und dabei bleibe ich auch.»
Rund 2,5 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren zur Wahl aufgerufen. Die Wahlbeteiligung stieg deutlich auf 74,2 Prozent, nach 63 Prozent im Jahr 2023. Die CDU-Spitzenkandidat Evers kündigte Gespräche mit den anderen Parteien an, vermied jedoch den Begriff Sondierungsgespräche. «Wir sind ja immer miteinander im Gespräch. Insofern werden in den nächsten Tagen Gespräche stattfinden, wie man mit den Ergebnissen umgehen kann», sagte er vor Journalisten.

