Wilhelm Tobias Abry ist neuer Inspekteur der Deutschen Marine. Der 58-jährige Vizeadmiral übernahm das Kommando über die Seestreitkräfte von Vizeadmiral Jan Christian Kaack, der die Marine seit 2022 geführt hatte. Die Übergabe fand auf dem Gelände der Marineschule Mürwik an der Flensburger Förde statt, wo bei Einbruch der Dunkelheit auch ein Großer Zapfenstreich zur Verabschiedung Kaacks abgehalten wurde.
Abry verfüge über langjährige See- und Einsatzerfahrung, teilte das Verteidigungsministerium mit. Seine zentrale Aufgabe besteht darin, die deutschen Seestreitkräfte zur Verteidigung der Ostsee und des Nordatlantiks aufzustellen und der Bedrohung durch Russland entgegenzuwirken. Damit setzt er den von seinem Vorgänger eingeleiteten Kurs fort: Kaack hatte die Marine seit 2022 mit dem «Kurs Marine» wieder vor allem auf die Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtet.
Die Marine zählt derzeit 15.900 Soldatinnen und Soldaten und war zuletzt erstmals wieder gewachsen. Sie verfügt aktuell über 47 Schiffe sowie zwei Tanker, die zivil besetzt sind. Um der Bedrohung durch Russland zu begegnen, läuft die Beschaffung neuer Schiffe und Waffen. Geplant sind zudem mehr unbemannte Systeme und der Einsatz künstlicher Intelligenz.
Zwei Spannungsgebiete spielen für die Marine eine besondere Rolle: der Nordatlantik als Nato-Nachschubroute und die Ostsee. Bereits im August hatte Kaack erklärt, die Marine sehe eine konstant hohe russische Bedrohung vor allem in der Ostsee. Die russische Marine sei «aggressiv auf See, durch das Ausspähen von Stützpunkten und Einheiten, durch Einschüchterungs- und Sabotageversuche, Drohnenüberflüge sowie den Einsatz der Schattenflotte in der Ostsee», sagte der Vizeadmiral in Berlin. Russland schütze Schiffe seiner sogenannten Schattenflotte inzwischen auch mit Waffen, entweder durch Marineschiffe oder durch Wachteams an Bord.
Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der die Marine nach Jahren der Schrumpfung wieder wächst und sich strategisch neu ausrichtet. Der Überfall Russlands auf die Ukraine hatte die deutschen Seestreitkräfte kalt erwischt und den Handlungsdruck erhöht. Der neue Inspekteur soll den Wandel der Seestreitkräfte beschleunigen und dafür sorgen, dass die Marine notfalls kämpfen kann. Mit Abry übernimmt ein Offizier, der über langjährige Erfahrung auf See und in Einsätzen verfügt.
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