Die Deutsche Marine bekommt einen zweiten Marinehafen an der Nordseeküste. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur fiel die Entscheidung auf den Standort Emden in Ostfriesland. Bislang ist Wilhelmshaven der einzige Marinehafen an der Nordsee und zugleich der größte Bundeswehr-Standort überhaupt.
Für den neuen Stützpunkt benötigt die Marine eine Fläche von 40 Hektar mit einer Option auf weitere zehn Hektar. Der Hafen soll Liegeplätze für sieben Fregatten, zehn Minensucher und zehn Schlepper bieten. Voraussichtlich werden dort eine vierstellige Zahl von Soldaten und zivilen Mitarbeitern tätig sein. Einzelheiten zum Auswahlverfahren, zu den Kriterien und zu den geprüften Standorten wurden nicht bekanntgegeben.
Verteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, beide SPD, werden am 5. Oktober in Emden erwartet. Wie aus einer Einladung der Staatskanzlei in Hannover hervorgeht, wollen sie das weitere Vorgehen hinsichtlich eines möglichen neuen Marinestützpunktes erläutern. An dem Termin sollen auch der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry, und Emdens erster Stadtrat Horst Jahnke teilnehmen. Pistorius wollte sich bei einem Termin in Bremen nicht zu einer möglichen Entscheidung über den Standort äußern.
Die Marine hatte in den vergangenen Monaten mehrere Küstenorte für die Standortsuche besichtigt. Geprüft wurde unter anderem der Hafen von Bremerhaven, wo bereits militärische Güter etwa bei Truppentransporten und Verlegeübungen umgeschlagen werden. Das Verteidigungsministerium hatte zuletzt auf neue Standort- und Liegenschaftserfordernisse verwiesen, die sich durch den geplanten Aufwuchs der Streitkräfte ergeben.
Die niedersächsische Landesregierung hatte sich für Emden als Marinestandort ausgesprochen. Bis 1997 hatte es in der größten Stadt Ostfrieslands einen Marinestützpunkt gegeben. Niedersachsen sei Bundeswehrland Nummer eins, hatte eine Sprecherin von Ministerpräsident Olaf Lies zuletzt erklärt. Entsprechend habe die Landesregierung großes Interesse an einem starken Standort Emden.
Der Emder Hafen verfügt nach Angaben der landeseigenen Hafeninfrastrukturgesellschaft Niedersachsen Ports über das größte noch ungenutzte Flächenpotenzial unter allen niedersächsischen Häfen. Als mögliches Areal gilt der sogenannte Rysumer Nacken, eine Hafenerweiterungsfläche an der Ems westlich der Seehafenstadt, die sich im Eigentum des Landes befindet. Die Stadt Emden, NPorts und das Land überlegen seit Jahren, wie die Fläche zur weiteren Entwicklung des Hafens genutzt werden kann. Bislang gab es Pläne für eine zivile Nutzung.
In Wilhelmshaven ist am Marinestützpunkt die Einsatzflottille 2 stationiert, einer der drei Großverbände der Deutschen Marine. Dazu gehören Fregatten, Einsatzgruppenversorger und Flottentanker. Zum Standort zählen außerdem ein Marinearsenal und ein Logistikzentrum. Mit dem neuen Hafen in Emden soll die Marine an der Nordseeküste künftig über zwei Standorte verfügen.
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