Der sogenannte Wirtschaftsnobelpreis geht in diesem Jahr an die beiden US-Ökonomen Robert E. Hall und Michael Woodford. Wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mitteilte, werden die Forscher für ihre Arbeiten zu den mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt damit ein Forschungsfeld, das die theoretische Verbindung zwischen dem Verhalten einzelner Haushalte und Unternehmen und der Stabilität ganzer Volkswirtschaften untersucht.
Hall und Woodford haben Modelle entwickelt, mit denen sich analysieren lässt, wie Zentralbanken und Regierungen auf wirtschaftliche Schwankungen reagieren können. Ihre Arbeiten zeigen, wie geld- und fiskalpolitische Maßnahmen eine Rezession abmildern oder einer Überhitzung der Wirtschaft entgegenwirken können. Damit liefern sie die mikroökonomische Fundierung für Entscheidungen, die in der Praxis von Notenbanken und Finanzministerien täglich getroffen werden.
Die Auszeichnung ist der letzte Nobelpreis, der in diesem Jahr vergeben wird. Die Bekanntgabe in Stockholm markiert traditionell den Abschluss der Nobelpreis-Saison, in der zuvor die Preisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden benannt wurden. Der Wirtschaftspreis wird formal nicht von der Nobel-Stiftung gestiftet, sondern von der Schwedischen Reichsbank finanziert und gilt dennoch als gleichrangig mit den übrigen Nobelpreisen.
Die Arbeiten der beiden Ökonomen fallen in ein Forschungsgebiet, das seit der Finanzkrise 2008 und der anschließenden Staatsschuldenkrise in Europa deutlich an Bedeutung gewonnen hat. In dieser Zeit mussten Zentralbanken und Regierungen weltweit ungewöhnliche Maßnahmen ergreifen, um Konjunktureinbrüche zu dämpfen. Die theoretischen Grundlagen, die Hall und Woodford gelegt haben, halfen dabei, die Wirkung solcher Eingriffe besser zu verstehen und politische Entscheidungen wissenschaftlich zu untermauern.
Robert E. Hall ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, der vor allem für seine Arbeiten zur Arbeitsmarktökonomie und zur Konsumtheorie bekannt ist. Michael Woodford lehrt an der Columbia University und gilt als einer der führenden Geldtheoretiker seiner Generation. Sein Buch «Interest and Prices» aus dem Jahr 2003 wird international als Standardwerk zur Geldpolitik und zur Rolle von Zentralbanken in modernen Volkswirtschaften gelehrt.
Die Auszeichnung würdigt damit ein Forschungsprogramm, das die Lücke zwischen einzelwirtschaftlichem Verhalten und gesamtwirtschaftlicher Stabilität schließt. Für die Notenbanken und Regierungen, die sich in der aktuellen wirtschaftlichen Lage mit Inflation, Wachstumsschwäche und geopolitischen Unsicherheiten auseinandersetzen müssen, sind die von Hall und Woodford entwickelten Modelle von unmittelbarer praktischer Relevanz. Die feierliche Übergabe der Preise findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.
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