Die Inflation in den USA hat im September unerwartet deutlich angezogen. Wie aus den aktuellen Verbraucherpreisdaten hervorgeht, lagen die Preise für Waren und Dienstleistungen um 3,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Vergleich zum August stiegen die Verbraucherpreise um 0,6 Prozent. Damit fiel der Preisanstieg stärker aus, als die meisten Volkswirte erwartet hatten.
Der US-Börsenexperte Markus Koch wertet die Zahlen als klares Signal für eine bevorstehende Zinsanhebung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Eine Erhöhung des Leitzinses Ende Oktober werde damit wahrscheinlicher, erklärte Koch. Die Fed steht unter Druck, weil sich der Inflationsdruck nicht wie erhofft abschwächt.
Der Ökonom Jörg Krämer sprach von einer großen Enttäuschung für die amerikanische Zentralbank. «Das Inflationsproblem verfestigt sich», sagte Krämer. Die Entwicklung sei deutlich stärker ausgefallen als von den meisten Volkswirten prognostiziert. Für die Notenbank bedeutet dies, dass sie ihre geldpolitische Straffung möglicherweise fortsetzen muss, um die Teuerung einzudämmen.
Als wesentlicher Treiber der Preisentwicklung gelten die hohen Energiekosten. Vor allem die Kraftstoffpreise belasten die US-Wirtschaft und treiben die Verbraucherpreise nach oben. Die Inflation trifft die amerikanischen Haushalte unmittelbar und belastet die Konsumlaune. Beobachter beschreiben die Stimmung der Verbraucher als «katastrophal».
Die unerwartet hohen Inflationszahlen fallen in eine politisch sensible Phase. Kurz vor den Zwischenwahlen in den USA gerät Präsident Donald Trump unter Druck. Trump hatte der Bevölkerung einst niedrigere Verbraucherpreise versprochen. Die aktuelle Entwicklung steht dazu im Widerspruch. Die steigende Inflation könnte damit auch die politische Debatte im Land beeinflussen.
Für die Finanzmärkte sind die Daten von erheblicher Bedeutung. Sollte die Federal Reserve die Zinsen weiter anheben, hätte das Auswirkungen auf die Kapitalmärkte, den Dollar und die globalen Finanzströme. Höhere Zinsen verteuern Kredite und bremsen Investitionen, können aber auch den Preisdruck dämpfen. Anleger beobachten die Signale der Notenbank daher besonders aufmerksam.
Die US-Inflation liegt weiterhin deutlich über dem Zielwert der Federal Reserve von zwei Prozent. Die Notenbank hatte in den vergangenen Monaten bereits mehrfach die Zinsen angehoben, um die Teuerung zu bekämpfen. Ob die jüngsten Daten ausreichen, um eine weitere Straffung zu rechtfertigen, wird von Experten unterschiedlich beurteilt. Klarheit dürfte die nächste Sitzung der Fed Ende Oktober bringen.
Für die europäischen Märkte und die exportorientierte Wirtschaft in Südbaden sind die US-Zahlen ebenfalls relevant. Die USA sind ein wichtiger Handelspartner, und eine weitere Zinserhöhung könnte den Dollar stärken sowie die Nachfrage nach Importgütern dämpfen. Unternehmen in der Region verfolgen die Entwicklung daher mit Aufmerksamkeit.
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