Kanada steht vor einem Engpass bei einem seiner bekanntesten Exportprodukte: Die strategischen Ahornsirup-Reserven der Provinz Quebec könnten einem Medienbericht zufolge bereits bis Ende Februar aufgebraucht sein. Verbliebene Bestände seien restlos verkauft und würden nun an die Käufer ausgeliefert, berichtet der staatliche Rundfunksender CBC unter Berufung auf den kanadischen Produzentenverband. Der Lagerbestand dürfte den Schätzungen zufolge um fast 16 Millionen Kilo gestiegen sein – langfristig reicht das jedoch nicht, um die Nachfrage zu decken.
Die kanadische Provinz Quebec ist der weltweit führende Produzent von Ahornsirup. Im Jahr 2025 stammten nach Regierungsangaben 75 Prozent der weltweiten Produktion aus Kanada, davon allein 90 Prozent aus Quebec. Weil die Ernte stark von den Witterungsbedingungen abhängt, hat die Provinz schon vor längerer Zeit eine strategische Reserve eingerichtet. Diese soll Schwankungen ausgleichen und die Versorgung sichern. Doch die steigende Nachfrage bringt das System nun an seine Grenzen.
Ein wesentlicher Grund für die aktuelle Knappheit sind die Vereinigten Staaten. Sie sind mit einem Anteil von 60 Prozent der Hauptabnehmer des kanadischen Sirups. Wegen des Zollstreits stiegen die Exporte im Jahr 2025 noch einmal deutlich an – die Agentur Canadian Press berichtet von einem Plus von 17 Prozent. Die US-Kunden haben den Markt in Kanada regelrecht leer gekauft. Branchenvertreter befürchten nun, dass mit den fehlenden Reserven die Nachfrage plötzlich einbrechen könnte, weil sich Kunden nach süßen Alternativen umsehen.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie schnell das Geschäft kippen kann. Vor fast zwanzig Jahren verzeichnete die Branche bereits einmal knappe Bestände. Damals seien viele Märkte und Kunden verloren gegangen, weil die Verbraucher ihren Konsum entsprechend angepasst und verändert hätten, schildert ein Branchenvertreter dem Sender CBC. Für die Industrie sind das nicht nur wegen schwindender Einnahmen schlechte Nachrichten. Die Branche beschäftigt mehr als 10.000 Arbeitnehmer in Vollzeit.
Der Ahornsirup ist für Kanada ein Millionengeschäft und ein wichtiges Identifikationsprodukt. Umso größer ist die Sorge, dass die strategischen Reserven nicht ausreichen, um die Nachfrage langfristig zu bedienen. Ob die Produktion mit dem Bedarf Schritt halten kann, hängt auch vom Wetter ab. Klar ist: Die Zeiten, in denen Kanada seine Kunden mit vollen Lagern bedienen konnte, könnten bald vorbei sein.
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