Der US-amerikanische Auftragsfertiger Globalfoundries hat in Dresden das Richtfest für die milliardenschwere Erweiterung seiner dortigen Halbleiterfabrik gefeiert. Das Unternehmen setzt dabei auf ein neues Produktionsverfahren, mit dem künftig verstärkt Chips für Anwendungen der künstlichen Intelligenz hergestellt werden sollen. Konzernchef Tim Breen bezeichnete den Schritt als Bekenntnis zum Standort und zur Strategie, die Produktion für den europäischen Markt auch in Europa zu verankern.

Die Erweiterung in Dresden ist Teil einer langfristig angelegten Investitionsoffensive von Globalfoundries. Das Unternehmen betreibt in der sächsischen Landeshauptstadt bereits eine große Fertigungsstätte und gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern der regionalen Halbleiterbranche. Mit dem Ausbau sollen zusätzliche Kapazitäten entstehen, um der wachsenden Nachfrage nach spezialisierten Chips gerecht zu werden. Der Fokus liegt dabei nicht auf den kleinsten und modernsten Strukturgrößen, sondern auf sogenannten Spezialprozessen, die für viele industrielle und sicherheitsrelevante Anwendungen benötigt werden.

Die Entscheidung für KI-Chips fällt in eine Phase, in der Europa seine Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferketten verringern will. Der europäische Chips Act zielt darauf ab, den Anteil der in Europa produzierten Halbleiter deutlich zu erhöhen. Globalfoundries positioniert sich mit seinem Dresdner Standort als zentraler Baustein dieser Strategie. Das Leitmotiv «Wir produzieren in Europa für Europa» bringt zum Ausdruck, dass die Fertigung nah an den Kunden und deren Bedürfnissen erfolgen soll.

Für den Standort Dresden bedeutet der Ausbau eine Stärkung der industriellen Basis und der Beschäftigung. Die Halbleiterfertigung gilt als kapitalintensiv und technologisch anspruchsvoll; sie zieht Zulieferer, Forschungsinstitute und Fachkräfte an. Sachsen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem europäischen Zentrum der Mikroelektronik entwickelt, in dem mehrere große Hersteller und zahlreiche kleinere Unternehmen tätig sind. Die Erweiterung von Globalfoundries fügt sich in dieses Cluster ein und dürfte die regionale Wertschöpfung weiter erhöhen.

Der Schritt ist auch vor dem Hintergrund der globalen Konkurrenz zu sehen. Asiatische und US-amerikanische Hersteller dominieren den Markt für Halbleiter, insbesondere bei den fortschrittlichsten Fertigungsverfahren. Europa versucht, in Nischen und bei spezialisierten Chips eine stärkere Rolle zu spielen. Globalfoundries verfolgt seit Jahren eine Strategie, die auf solche Spezialanwendungen setzt, statt im Wettlauf um die kleinsten Transistoren mitzuhalten. Die Ausrichtung auf KI-Chips könnte sich als wirtschaftlich tragfähig erweisen, da der Bedarf an Rechenleistung für KI-Modelle weltweit steigt.

Mit dem Richtfest ist ein wichtiger Meilenstein erreicht, die eigentliche Produktion in den neuen Anlagen dürfte jedoch erst nach weiteren Bau- und Installationsphasen anlaufen. Wann genau die ersten KI-Chips aus der erweiterten Fabrik kommen sollen, ist nicht bekannt. Klar ist, dass Globalfoundries mit der Investition ein langfristiges Signal setzt: Der Konzern will den Standort Dresden ausbauen und seine Rolle in der europäischen Halbleiterlandschaft festigen.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.