Die USA bereiten die erste Militärhinrichtung seit mehr als 60 Jahren vor. Wie das Pentagon bestätigte, soll die für Anfang Dezember geplante Erschießung des zum Tode verurteilten Nidal Hasan auf dem Militärstützpunkt Fort Hood im Bundesstaat Texas per Livestream übertragen werden. Ein Beamter des Verteidigungsministeriums bestätigte der Deutschen Presse-Agentur entsprechende Planungen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte zuvor erklärt, die von Präsident Donald Trump genehmigte Hinrichtung durch ein Erschießungskommando solle öffentlich stattfinden.

Hegseth sagte dem rechtskonservativen US-Sender Real America's Voice, man werde dafür sorgen, dass Menschen die Hinrichtung von Hasan öffentlich beobachten könnten. «Die Menschen müssen verstehen, dass solche Taten schwerwiegende Konsequenzen haben», so der Minister. Sollte die Exekution wie geplant am 3. Dezember auf dem Militärstützpunkt Fort Hood vollstreckt werden, wäre es nach Angaben US-amerikanischer Medien die erste Militärhinrichtung seit 1961. Damals war ein Armeeangehöriger hingerichtet worden, der wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes an einer Elfjährigen während seines Einsatzes in Österreich zum Tode verurteilt worden war.

Hasan, ein früherer Psychiater der US-Armee, hatte im November 2009 auf dem Stützpunkt Fort Hood das Feuer eröffnet und zwölf Soldaten sowie einen Zivilisten getötet und Dutzende weitere Menschen verletzt, bevor er selbst angeschossen und festgenommen wurde. Nach Angaben der New York Times gab Hasan an, den Angriff im Namen des Dschihad verübt zu haben. Die Kriege in Afghanistan und im Irak bezeichnete er als illegal. Der Anschlag ereignete sich auf dem Höhepunkt des Anti-Terror-Kampfes nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Hasan wurde 2013 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt. Er zeigte keine Reue und äußerte den Wunsch, bei dem Anschlag selbst gestorben zu sein, um als Märtyrer zu gelten. Er ist einer von vier Todeskandidaten im Militärjustizsystem der USA.

Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der die Todesstrafe in den USA wieder verstärkt diskutiert wird. Trump genehmigte die Hinrichtung nur wenige Tage, nachdem im Bundesstaat Tennessee ein Hinrichtungsversuch gescheitert war. Der wegen Mordes verurteilten Christa Pike wurden nach Behördenangaben zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht, doch sie lebte weiter. Der Fall hat die Debatte um die Todesstrafe neu entfacht.

Öffentliche Erschießungen wurden in den USA unter anderem während des Amerikanischen Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert als Abschreckungsmittel eingesetzt. Die bislang letzte Hinrichtung durch ein Erschießungskommando des US-Militärs fand 1945 statt. Die letzte allgemein öffentliche Hinrichtung in den USA war 1936, als im Bundesstaat Kentucky ein Mann vor Tausenden Schaulustigen gehängt wurde. Sollte es nun tatsächlich wieder eine öffentliche Hinrichtung geben, würde sich das Land in die Nähe von Staaten begeben, deren Praktiken es an anderer Stelle kritisiert. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International fanden im vergangenen Jahr mindestens 17 öffentliche Hinrichtungen statt, sechs in Afghanistan und elf im Iran.

Ein solcher Vorgang, zumal per Livestream übertragen, wirft zahlreiche Fragen auf. Dazu gehört, welches Ziel die Regierung von Präsident Trump damit verfolgt und ob es Zugangsbeschränkungen geben wird, um zu verhindern, dass beispielsweise Kinder die Hinrichtung verfolgen. Falls das Urteil gegen Hasan vollstreckt wird, wäre es zudem die erste Hinrichtung auf Bundesebene seit Januar 2021. Damals ließ Trump in den letzten Wochen seiner ersten Amtszeit 13 Häftlinge exekutieren.

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Nora Dietrich

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Nachrichtenredakteurin

Nora Dietrich berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.