Die USA haben bei Gesprächen in Miami mit Vertretern der Ukraine und mehrerer europäischer Staaten über Wege zu einem Ende des Ukraine-Kriegs beraten. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff bezeichnete die Beratungen am Freitag (Ortszeit) als «konstruktiv». An dem Treffen im US-Bundesstaat Florida nahmen auf US-Seite neben Witkoff auch Jared Kushner, der Schwiegersohn von Präsident Donald Trump und informeller Vermittler, sowie Vertreter des Nationalen Sicherheitsrats und des Finanzministeriums teil.
Aus Europa waren die nationalen Sicherheitsberater Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens eingeladen. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Nato-Generalsekretär Mark Rutte entsandten ihre Kabinettschefs nach Miami. Nach Angaben aus US-Kreisen sollten in Florida von Washington entwickelte «neue Ideen» erörtert werden, um den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden. Dazu zähle auch ein «Wohlstandsprojekt für die Zeit nach dem Krieg».
Witkoff erklärte im Onlinedienst X, bei dem Treffen sei es unter anderem um «kurzfristige Maßnahmen zur Vorbereitung auf den Winter» in der Ukraine gegangen, etwa die Stärkung der Energieinfrastruktur und Getreideexporte. Auch Sicherheitsgarantien und «langfristige Vorkehrungen für die Sicherheit der Ukraine und Europas» seien Thema gewesen. Die US-Regierung setzt nach Angaben aus US-Kreisen darauf, dass der bevorstehende Winter und die Probleme bei der Energieversorgung in der Ukraine Bewegung in die Gespräche bringen.
Die Vermittlungsbemühungen der USA waren seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar zum Erliegen gekommen und erst in den vergangenen Wochen wieder aufgenommen worden. Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten setzen sich derzeit für eine Waffenruhe ein, die sich auf den Energiesektor und das Meer erstrecken soll. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte diesen Vorschlag in der vergangenen Woche zurückgewiesen.
Am Samstag sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut russischen Nachrichtenagenturen, Trump habe Putin in einem Telefonat «bestimmte Vorschläge der US-Seite für Maßnahmen zur Deeskalation» gemacht. Putin habe diese «mit Verständnis» aufgenommen. Worin die Vorschläge bestanden oder ob und wie der russische Präsident im Detail darauf reagierte, sagte Peskow nicht.
Überschattet wurden die Gespräche von neuen russischen Angriffen in der Ukraine. Bei einem Angriff auf die Stadt Saporischschja im Südosten des Landes wurden nach Angaben der Regionalbehörden mindestens 15 Menschen getötet, darunter drei Kinder. Nach Angaben der örtlichen Polizei griff die russische Armee am frühen Morgen Wohngebiete mit Lenkbomben an, dabei seien zwei Wohngebäude getroffen worden. Die Region Saporischschja liegt nur wenige Dutzend Kilometer von der Front entfernt und ist immer wieder Ziel von Angriffen.
Russland hatte in den vergangenen Monaten seine Angriffe auf die Ukraine intensiviert, die Zahl ziviler Opfer stieg dadurch deutlich. Laut der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas wurden zuletzt innerhalb von zwei Tagen mehr als 80 Zivilisten in der Ukraine getötet.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die Angriffe als Russlands «Dank» für eine von US-Präsident Donald Trump trotz bestehender Sanktionen verkündete Vereinbarung zur Lieferung von russischem Diesel an die USA. Trump will damit kurz vor den US-Kongresswahlen am 3. November dem drastischen Anstieg des Dieselpreises infolge des Iran-Kriegs entgegenwirken. In den vergangenen Wochen hatte Trump wiederholt ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien kritisiert und diese für den Preisanstieg verantwortlich gemacht. Zu den verstärkten Angriffen der russischen Armee auf die Ukraine, bei denen zunehmend Zivilisten getötet werden, äußerte sich der US-Präsident hingegen nicht.
Kallas kritisierte die von Trump verkündete Diesel-Entscheidung scharf. Diese verschaffe Moskau «zusätzliche Einnahmen, um Krieg zu führen», erklärte die EU-Außenbeauftragte. Selenskyj sprach von einem «Zeichen der offensichtlichen Schwäche» und warf den USA vor, in den Krieg gegen die Ukraine zu investieren. Russland werde die Vereinigten Staaten noch weniger ernst nehmen.
37

