Ein Wahlkampfvideo des republikanischen Gouverneurskandidaten Vivek Ramaswamy in Ohio hat eine parteiübergreifende Kontroverse ausgelöst. In dem Video kommt Donna Arthur zu Wort, die Mutter seiner demokratischen Kontrahentin Amy Acton. Arthur behauptet darin, ihre Tochter habe ein «ernsthaftes Problem» und sei «eine Lügnerin», die über ihre Vergangenheit lüge. Acton hatte im Wahlkampf öffentlich gemacht, als Kind vom damaligen Partner ihrer Mutter vergewaltigt worden zu sein. Ihre Mutter verlor später das Sorgerecht, seither besteht zwischen beiden kein Kontakt.
Das Wahlkampfteam von Acton verurteilte den Auftritt scharf und sprach von einer «widerlichen» Kampagne. Als Reaktion veröffentlichte es eine Erklärung von Actons Bruder Philip Stearns. Er bezeichnete das Video als «verabscheuungswürdig» und bestätigte, dass Acton im Alter von zwölf Jahren sexuell missbraucht wurde. Zu dem Stiefvater sagte Stearns: «Nachdem er verhaftet worden war und Amy und ich aus ihrer Obhut genommen wurden, blieb unsere leibliche Mutter bis zu seinem Tod mit Amys Vergewaltiger verheiratet.»
Auch innerhalb der eigenen Partei stieß Ramaswamy auf deutliche Kritik. Der amtierende Gouverneur von Ohio, der Republikaner Mike DeWine, nannte die Kampagne am Donnerstag «äußerst, äußerst bedenklich». Er forderte das Wahlkampfteam des Kandidaten dringend auf, das Video zu entfernen. Weitere Republikaner schlossen sich der Kritik an. Die Reaktionen zeigen, dass der Umgang mit den Vorwürfen der Demokratin selbst in den eigenen Reihen als Tabubruch gewertet wird.
US-Präsident Donald Trump stellte sich jedoch hinter Ramaswamy. In einem Beitrag auf der Plattform Truth Social forderte er den Kandidaten auf, unbedingt an dem Video festzuhalten, damit alle erfahren könnten, was Actons Mutter zu sagen habe. Gouverneur DeWine bezeichnete Trump als unfähig und illoyal. Zudem erklärte der Präsident: «Ich wünschte nur, die Mütter meiner Gegner wären so mutig, sich zu melden und zu erklären, dass ihr Sohn oder ihre Tochter ein Lügner ist.»
Der Streit fällt in die heiße Phase des Wahlkampfs vor den Zwischenwahlen am 3. November. In den USA werden dabei rund ein Drittel der Senatssitze und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt. Auch zahlreiche Gouverneursämter stehen zur Abstimmung, darunter das in Ohio. Der Bundesstaat gilt als wichtiger Schauplatz, und der Ton der Auseinandersetzung dürfte die Kampagne bis zum Wahltag prägen.
Die Kontroverse wirft ein Schlaglicht auf die Frage, wie weit Kandidaten im Wahlkampf gehen dürfen. Die Mutter der Demokratin in einem Video gegen ihre Tochter auftreten zu lassen, überschreitet aus Sicht vieler Beobachter eine Grenze. Dass Trump das Vorgehen verteidigt, verschärft den Konflikt zwischen dem Präsidenten und Teilen seiner Partei. Für Ramaswamy bedeutet die Auseinandersetzung eine Belastungsprobe: Er muss nun abwägen, ob er das Video aufrechterhält oder den Forderungen aus den eigenen Reihen nachgibt.
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