US-Präsident Donald Trump hat eine ausgedehnte Wahlkampftour durch die Vereinigten Staaten begonnen, die ihn in den kommenden Tagen nach Iowa, Florida, Georgia und Michigan führen soll. Die Reise dient offiziell dazu, die Republikaner vor den Zwischenwahlen am 3. November zu unterstützen, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel des Senats neu gewählt werden. Doch die Tour offenbart ein grundlegendes Problem: Der Präsident selbst steht bei den Wählern zunehmend in der Kritik, und seine Partei muss mit Verlusten rechnen.
Die Zwischenwahlen gelten traditionell als eine Art Zwischenzeugnis für die amtierende Regierung, und nur selten fällt es positiv aus. Die Partei des Präsidenten verliert in der Regel Sitze im Kongress. In diesem Jahr kommt erschwerend hinzu, dass eine Mehrheit der Amerikaner mit Trumps Arbeit unzufrieden ist. Eine am Mittwoch veröffentlichte Erhebung der «New York Times» ergab, dass nur 36 Prozent der Befragten seine Leistung als Präsident befürworten. Es ist nicht nur ein persönlicher Tiefstwert für Trump, sondern der schlechteste Wert eines US-Präsidenten vor einer Zwischenwahl seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Trump verweist in seinen Reden regelmäßig auf wirtschaftliche Erfolge. Tatsächlich verzeichnen die USA unter den G7-Staaten derzeit die höchsten Wachstumsraten, getrieben vom Boom der KI-Branche. Die Arbeitslosenquote ist niedrig, und das mittlere Haushaltseinkommen ist gestiegen. Doch bei vielen Bürgern kommt davon wenig an: Die Inflation ist gestiegen, ebenso die Spritpreise und die Kosten vieler Lebensmittel. Als Ursachen gelten unter anderem die US-Angriffe auf den Iran, die die Preise an den Zapfsäulen in die Höhe getrieben haben, sowie der Handelskrieg mit neuen Zöllen, der die Lebenshaltungskosten zusätzlich erhöht hat.
Andere Präsidenten haben in vergleichbaren Situationen auf Distanz zu ihren Parteien geachtet und sich bei Wahlkampfveranstaltungen zurückgehalten. Trump geht den entgegengesetzten Weg: Er tourt durch das Land, bezeichnet seine Auftritte als «legendär» und fordert seine Anhänger auf, sich vorzustellen, sein Name stünde auf den Wahlzetteln. Damit macht er die Wahl noch stärker zu einer Abstimmung über seine Person und seine Politik. Republikanische Kandidaten stehen vor einem Dilemma: Sie versuchen, den Präsidenten in ihren Werbespots nicht mehr zu erwähnen oder ihn von ihren Webseiten zu entfernen, während Trump gleichzeitig vor ihrer Haustür Wahlkampf macht.
Besonders auffällig ist die Auswahl der Orte, die Trump besucht. Er tritt fast ausschließlich in Staaten auf, die er bei den Präsidentschaftswahlen 2024 klar gewonnen hat und die teilweise seit Jahrzehnten fest in republikanischer Hand sind. Dazu gehören Iowa, Florida, Georgia und Michigan, aber auch Staaten wie Alaska, Nebraska und Texas, die als sichere Hochburgen galten. In den vergangenen zwei Jahren ist jedoch Bewegung in diese Landschaft gekommen: Selbst in Texas ist ein Sieg der Republikaner nicht mehr automatisch garantiert.
Als Grund dafür gilt unter anderem Trumps rigorose Abschiebepolitik, die bei Latinos für erhebliche Verunsicherung sorgt. Viele von ihnen sehen sich besonders intensiv von Agenten der Einwanderungsbehörde ICE ins Visier genommen. Bei den Präsidentschaftswahlen 2024 hatte noch eine Mehrheit der Latinos in Texas für Trump gestimmt. Heute wenden sich viele von ihm ab. Da rund 40 Prozent der Bevölkerung in Texas Wurzeln in Mittel- und Südamerika haben, könnte sich dieser Stimmungsumschwung bei den Zwischenwahlen bemerkbar machen. Trump plant allein in Texas mindestens vier Auftritte bis zum Wahltag.
Ob die Republikaner die genannten Staaten tatsächlich verlieren, ist offen. Die demokratischen Herausforderer müssten erst noch beweisen, dass sie aus der Unzufriedenheit mit dem Präsidenten Kapital schlagen können. Sicher ist jedoch, dass Trump mit seiner Tour den Spagat seiner Partei nicht erleichtert. Statt die Kandidaten zu entlasten, rückt er sich selbst und seine umstrittene Bilanz in den Mittelpunkt – und könnte damit den ohnehin schwierigen Wahlkampf der Republikaner weiter belasten.
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