US-Präsident Donald Trump hat am Montag während einer Wahlkampfrede im Bundesstaat Nebraska ein Dekret unterzeichnet, das allen US-Bürgern den steuerfreien Kauf von sogenanntem Offroad-Diesel erlauben soll. Der rot eingefärbte Kraftstoff ist in den USA bislang nur für Fahrzeuge außerhalb des Straßenverkehrs zugelassen und wird steuerlich begünstigt. Trump versprach, dass künftig jeder Amerikaner diesen Diesel nutzen dürfe. «Ich weiß beim besten Willen nicht, was das ist, aber was auch immer es ist – es soll sehr gut sein», sagte Trump über den Kraftstoff.

Die Maßnahme dürfte vor allem Landwirte in Nebraska freuen, die den Offroad-Diesel nun auch für Fahrten zum Markt verwenden könnten. Für die breite Bevölkerung hat das Dekret jedoch wenig praktische Bedeutung: Laut Energieministerium hatten 2025 nur 3,5 Prozent der Pkw in den USA einen Dieselmotor. Der normale, nicht steuerbegünstigte Diesel wird hauptsächlich von Truckern und Landwirten getankt. Kritiker sehen in dem Dekret daher eher ein Wahlkampfmanöver der Trump-Regierung mit Blick auf die Zwischenwahlen am 3. November.

Die USA stecken seit Monaten in einer Energiekrise, die die Regierung mit dem Krieg gegen den Iran seit Ende Februar selbst ausgelöst hat. Durch die Blockade der Straße von Hormus, über die normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs verschifft wird, waren die Preise auf dem Weltmarkt für fossile Brennstoffe in die Höhe geschnellt. Mehr als sieben Monate später ist die Krise so weit fortgeschritten, dass Trump sie selbst mit einem sofortigen Kriegsende nicht mehr allein lösen könnte. Der Benzinpreis liegt aktuell 70 Prozent über dem Vorjahr, der Preis für die Rohölsorte Brent ist um mehr als 50 Prozent gestiegen.

An den Zapfsäulen in den USA schlägt die Teuerung deutlich durch: Anfang September kostete eine Gallone Diesel laut dem Automobilklub AAA erstmals mehr als sechs Dollar. Eine Gallone Benzin kostet derzeit im Schnitt 4,4 Dollar und damit 40 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das Weiße Haus geht in seinem jüngsten Merkblatt zum Dieseldekret auf diesen Zusammenhang nicht ein und nennt stattdessen den Ukraine-Krieg und die «grüne Energiepolitik» als Treiber der Energiekrise.

Trump hatte zuletzt einen Exportstopp für Diesel aus den USA erwogen, stieß damit aber in den eigenen Reihen auf Widerstand. Energieminister Chris Wright warnte, ein solches Verbot könne die Preise weiter steigen lassen. «Das grobe Instrument eines Exportverbots für Diesel funktioniert definitiv nicht», erklärte Wright Ende September. Stattdessen einigten sich die europäischen G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien am Freitag auf die Freigabe von 100 Millionen Barrel Ölreserven. Trump lobte die Länder und sprach von einer «großartigen Sache». Ein Exportstopp für Diesel werde es nicht geben, so der Präsident.

Nach der Freigabe gab der Dieselpreis etwas nach, doch dürfte dies nur vorübergehend sein. Laut der Internationalen Energieagentur IEA entsprechen 100 Millionen Barrel dem weltweiten Bedarf von nur einem Tag. Bereits im März hatten 32 Staaten insgesamt 400 Millionen Barrel Öl freigegeben, ohne die generelle Preisentwicklung zu bremsen. Der Analyst Patrick De Haan vom Portal GasBuddy erklärte, der weltweite Bedarf liege deutlich über den freigegebenen Mengen. Die US-Regierung befinde sich in einer Sackgasse und habe nur begrenzte Mittel gegen die steigenden Preise.

Für Trump und seine Regierung sind die hohen Preise vor allem wegen der Zwischenwahlen am 3. November brisant. Kein Thema bewegt die Wähler so sehr wie die allgemeine Wirtschaftslage und die Lebenshaltungskosten. Hatten die Wähler Trump 2024 in Umfragen noch eine höhere Wirtschaftskompetenz als Kamala Harris zugeschrieben, so hat sich die Stimmung gedreht: Einer Umfrage von Reuters und Ipsos vom August zufolge halten die Wähler bei Wirtschaftsfragen inzwischen die Demokraten für kompetenter. Zuletzt lagen die Demokraten in dieser Kategorie 2017 vorn.

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Sebastian Mertens

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Wirtschaftsanalyst

Sebastian Mertens berichtet für Waldshut Zeitung über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.