US-Präsident Donald Trump hat die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises an die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay scharf verurteilt. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Syracuse im Bundesstaat New York sagte Trump, er habe noch nie von Pillay gehört und der Preis hätte ihm selbst zugestanden. «Die Vereinigten Staaten von Amerika, vertreten durch mich als Ihren Präsidenten, hätten den Friedensnobelpreis erhalten sollen – haben ihn aber nicht bekommen», so Trump. Er begründete dies erneut mit der Behauptung, er habe während seiner Amtszeit acht Kriege beendet, Geiseln aus der Gewalt der Hamas im Gazastreifen befreit und Grönland «bekommen».
Trump kritisierte insbesondere Norwegen für die Entscheidung des unabhängigen Nobelkomitees. «Das ist ein unauslöschlicher Fleck auf dem Land Norwegen und auf den Menschen, die eine so beschämende und peinliche Entscheidung getroffen haben», sagte er. Der Friedensnobelpreis sei durch eine «Handvoll radikaler Ideologen» für immer diskreditiert worden. Weiter drohte er: «Wir werden Norwegen nicht vergessen, dass sie diesen Preis nicht für die größte Bilanz in der Geschichte vergeben haben.» Die USA hätten acht Nobelpreise erhalten müssen – einen für jeden von seinem Land beendeten Krieg. Die Vergabe des Preises liegt jedoch allein bei einem unabhängigen norwegischen Nobelkomitee, nicht bei der norwegischen Regierung.
Die diesjährige Preisträgerin Navanethem Pillay wurde für ihren Einsatz «zur Förderung von Frieden und Völkerrecht» ausgezeichnet. Die 85-jährige Südafrikanerin kämpfte bereits als junge Anwältin gegen die Apartheid und machte später als internationale Spitzenjuristin Karriere. Von 2003 bis 2008 war sie Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH). Kurz nach der Bekanntgabe der Preisträgerin verhängte die US-Regierung Sanktionen gegen den IStGH. Der Friedensnobelpreis gilt als wichtigste Auszeichnung der Welt; in diesem Jahr waren 287 Kandidaten nominiert. Das Preisgeld beträgt umgerechnet etwas mehr als eine Million Euro.
Bereits im Vorjahr hatte Trump Norwegen dafür kritisiert, nicht ihm, sondern der venezolanischen Oppositionsführerin María Corina Machado den Preis verliehen zu haben. Diese hatte die Auszeichnung symbolisch Trump zugedacht. Die erneute Kritik Trumps fällt in eine Zeit, in der seine außenpolitischen Entscheidungen international für Aufsehen sorgen. So sorgte zuletzt auch seine Ankündigung, mit Russlands Präsident Wladimir Putin eine Lieferung von 300.000 Tonnen Diesel aus Russland vereinbart zu haben, für Kontroversen – trotz bestehender Sanktionen. Der Kreml bestätigte die Vereinbarung, während der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj scharfe Kritik übte.
Die Kritik an der Nobelpreis-Entscheidung reiht sich in eine Serie von Äußerungen Trumps ein, in denen er sich selbst als zentralen Garanten des Weltfriedens darstellt. Das unabhängige Nobelkomitee in Oslo lässt sich von politischem Druck nicht beeinflussen. Die diesjährige Ehrung Pillays würdigt ihr jahrzehntelanges Engagement für Menschenrechte und internationale Justiz. Trump hingegen sieht sich weiterhin als alleinigen legitimen Träger des Friedensnobelpreises und bezeichnet die Entscheidung als «Schande» für Norwegen.
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